Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 6 von 108
kann man eine Sprache besser lernen als durch Sanktionen. Und das sieht man auch, wenn genug Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung stehen, wenn es den Lebensrealitäten angepasste Deutschkurse gibt, dass die Menschen dann sehr wohl dieses Angebot in Anspruch nehmen. Denn ich glaube, jeder, der zum Arzt gehen will, will einfach nicht auf eine dritte Person angewiesen sein.
Insofern würde ich gerne wissen, da ja im Moment auch sehr viele Kürzungen im Raum stehen, sind die Deutschkurse von den Kürzungen betroffen? Und wie schauen die Rahmenbedingungen dann für berufsspezifische Kurse aus, denn die sind ja sehr wichtig für die Integration in den Arbeitsmarkt? Diesbezüglich würde ich gern eine Antwort haben.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte.
VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage und danke auch für die Bestätigung. Ich glaube, das, was wir über die MA 17 an Deutschkursen anbieten, ist auch deswegen erfolgreich, weil es eben an die Lebensrealitäten vor allem auch von Frauen, Müttern, Familien angepasst ist, immer mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten, immer mit Kurszeiten, die familienfreundlich sind. Dann wird das auch gerne angenommen. Ich glaube, das bestätigt sich ganz schön.
Zu Ihrer Frage, ob Deutschkurse gekürzt werden: Nein, ganz im Gegenteil, es ist uns sehr bewusst, dass wir im Bereich der Integration, des Spracherwerbs, vor allem auch, was Kinder und Jugendliche betrifft, Aufholbedarf haben. Das hat einfach die Entwicklung der letzten Jahre ganz klar gezeigt. Wir haben eine hohe Zuwanderung erlebt. Alleine, wenn man in die Schule schaut, haben sich die Zahlen der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler auf Grund dessen erhöht, und daher müssen wir hier mit aller Kraft dagegenwirken. Das heißt, alle Angebote zur Integration, seien es Basisbildungsangebote, aber auch Deutschangebote werden weiter erhöht. Vielleicht auch als Beispiel noch einmal angemerkt, die Sommerkurse für Schulneulinge, weil ich glaube, dass das wirklich ein wichtiger Hebel ist. Ich habe gesagt, wir haben das in diesem Sommer das erste Mal stattfinden lassen. Es wurde gut angenommen. Wir wollen hier noch gezielter vorgehen und werden das Angebot im nächsten Jahr verdreifachen. In diese Richtung soll es weitergehen, weil wir hier nicht nur Aufholbedarf haben, sondern auch wirklich jedem, der sich integrieren will, aber vor allem jedem Kind die Chance geben möchten und wollen und müssen, dass es sich in diese Gesellschaft integriert und alle Chancen für ein gelungenes Leben, für eine gelungene Schullaufbahn hat. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, damit ist die 1. Anfrage beantwortet.
Die 2. Anfrage (FSP-1377153-2025-KSP/GM) wurde von Frau GRin Mag. Seidl gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit und Internationales und Digitales gerichtet. In dieser Anfrage geht es um den Einsatz der Fördermittel für Berufsausbildung. (Sehr geehrte Frau Stadträtin! Die Stadt Wien stellt dem Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (waff) jährlich ein Förderbudget zur Verfügung, um Projekte und Initiativen zu unterstützen, die zur Stärkung des Wiener Arbeitsmarktes beitragen. Könnten Sie uns bitte beispielhaft erläutern, wie diese Fördermittel in den letzten Jahren eingesetzt wurden, um insbesondere die Zielgruppen aus dem Qualifikationsplan Wien 2030 anzusprechen und welchen Mehrwert die Programme für diese Zielgruppen haben?)
Guten Morgen und bitte schön, Frau Stadträtin.
Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Wunderschönen guten Morgen, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Frau Gemeinderätin, vielen herzlichen Dank für diese Frage.
Vielleicht darf ich zu Beginn ein paar grundsätzliche Ausführungen zu dieser Thematik machen. Tatsächlich ist es so, dass wir ja in einer öffentlichen Debatte über die Frage des Wirtschaftsstandortes zu Recht sehr oft über die Themen Fachkräftemangel und insbesondere, in welchen Branchen Fachkräfte dringend gesucht werden, diskutieren. Da wird auch sehr berechtigt immer wieder die Verantwortung der öffentlichen Hand angesprochen. Ich denke, dass wir einerseits natürlich mit dem Arbeitsmarktservice, dem AMS, hier eine Stelle haben, die maßgeblich auch für die Frage der Fachkräfteausbildung nicht nur österreichweit, sondern auch in dieser Stadt verantwortlich ist, sowie vor allem auch für die eigentlich reguläre duale Berufsausbildung. Die ist mir auch ein besonderes Anliegen und wir sehen, dass vor allem auch die Stadt Wien selbst mit den Unternehmungen eine sehr große Rolle bei der Ausbildung von Fachkräften, nämlich bei der Lehrlingsausbildung spielt.
Wien hat seit nunmehr 30 Jahren mit dem Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds ein sehr gutes Werkzeug in der Hand, um Fachkräfteausbildungen zu forcieren und im Rahmen des Qualifikationsplanes Wien 2030 auch ganz gezielt Zielgruppen anzusprechen und auch sehr flexibel Programme aufzusetzen, um neue Zielgruppen oder Zielgruppen, die sich auch auf Grund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und der wirtschaftlichen Entwicklungen als besonders ansprechbar oder förderungswürdig herauskristallisieren, zu erreichen.
Dem waff stehen 157 Millionen EUR im Jahr zur Verfügung, um diese Programme umzusetzen, die tatsächlich sehr unterschiedlich gefächert sind, aber alle einen gemeinsamen Fokus haben. Das ist die Aufqualifizierung - manchmal sogar die Erstqualifizierung - von Wienerinnen und Wienern, um am Arbeitsmarkt einen besseren Arbeitsplatz zu bekommen und dann auch in der beruflichen biografischen Karriere einen Schritt weiterzukommen. Von diesen Maßnahmen profitieren jährlich 43 000 TeilnehmerInnen. Es sind insgesamt 1 400 Unternehmen, die in Wien situiert sind, die auch von diesen Maßnahmen profitieren, die hier auch teilweise in sehr guten Kooperationen einen wichtigen Beitrag leisten. Sehr oft sind diese Programme in enger Abstimmung einerseits mit dem Sozialministerium und andererseits natürlich auch mit dem AMS, nicht nur in der Abwicklung, weil es natürlich auch ums Matching geht, sehr
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