Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 11 von 108
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte.
VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Kinderschutz ist natürlich allumfassend und sollte ein Gesamtsystem betreffen. Das heißt, alle Organisationen, alle Institutionen - zumindest kann ich es für die Stadt Wien sagen -, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sind sehr stark im Bereich des Kinderschutzes verankert, haben die notwendigen Kompetenzen, sind entsprechend ausgebildet, weisen Kinderschutzkonzepte vor und gehen systematisch und vor allem auch sehr verankert in diesem Bereich vor.
Wir haben mit der Novelle des Wiener Kindergartengesetzes im Jahr 2022 den institutionellen Kinderschutz in den elementarpädagogischen Einrichtungen verankert und gleichzeitig in der MA 11 auch eine Kompetenzstelle für Kinderschutz in der Elementarpädagogik aufgebaut. Diese Kompetenzstelle arbeitet auch multiprofessionell - ein ganz wichtiger Faktor in Bezug auf Kinderschutz -, nämlich mit ElementarpädagogInnen und SozialarbeiterInnen, die die Einrichtungen unterstützen und sie auch bei möglichen Gefährdungsmeldungen begleiten. Wenn irgendwo eine Kindeswohlgefährdung vermutet wird oder ein Verdachtsfall besteht, ist die Kompetenzstelle, die neu eingerichtet wird, zur Stelle, um hier auch mit der Organisation selbst zu arbeiten. Sofortiges Reagieren auf die Meldungen ist natürlich das A und O, aber auch eine gute Vernetzung mit den KooperationspartnerInnen, wie beispielsweise eben die Kinderschutzzentren, aber auch "die möwe", die somit sicherstellen, dass in den elementarpädagogischen Einrichtungen der Kinderschutz gewährleistet ist. Zudem hat im elementarpädagogischen Bereich jede Trägerorganisation einen Kinderschutzbeauftragten oder eine Kinderschutzbeauftragte, die zur Unterstützung beigezogen werden. Sie müssen verpflichtend ein Kinderschutzkonzept erarbeiten, um auch die Risiken im pädagogischen Alltag zu definieren.
Die Kompetenzstelle unterstützt dann auch zum Beispiel bei der Erstellung eines Kinderschutzkonzeptes. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch dazu da, die jeweiligen Kinderschutzbeauftragten zu unterweisen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Erkennung von Kindeswohlgefährdungen sind gesetzlich zu Fortbildungen verpflichtet und auch hier bietet die Kompetenzstelle Kinderschutz Elementarpädagogikworkshops und Vorträge an. Sie ist also nicht nur in der Präventionsarbeit tätig, sondern übernimmt auch eine Kontrollfunktion hinsichtlich der Umsetzung. Durch diese Maßnahmen der Unterstützung, der Beratung und der Kontrolle können wir Kinderschutz in Kindergärten, Kindergruppen, aber auch bei Tageseltern gut sicherstellen.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - GR Ellensohn, bitte.
GR David Ellensohn (GRÜNE): Frau Stadträtin, natürlich ist es gut, wenn sich möglichst viele Leute um Kinder und Jugendliche bemühen, die es sehr schwer haben. Die Maßnahmen, die in der Stadt geplant sind, um das Budget in Ordnung zu bringen, nehmen nicht sehr viel Rücksicht darauf. Die Situation für Kinder und Jugendliche wird sehr viel schwerer werden. Die Arbeit für Menschen in den entsprechenden Einrichtungen wird sehr viel schwerer werden. Alles, was die Volksanwaltschaft kritisiert hat, was nicht funktioniert, wo das Personal, das sich wahnsinnig bemüht, überfordert ist, kaum mehr nachkommt, wird verschärft. Was glauben Sie, wie viel Kinderschutzzentren werden Sie benötigen, auf Grund der vielen Maßnahmen, die unter "sparen" laufen, aber Kürzungen sind? Sie werden mehr Betroffene haben, es wird in den nächsten Jahren mehr Kindern und Jugendlichen schlechter gehen, es werden mehr Familien betroffen sein, es wird die Arbeit schwieriger werden für alle, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern. Glauben Sie, dass Sie nach dem zweiten ein drittes und viertes Kinderschutzzentrum benötigen werden?
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte.
VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Ich glaube, es kann nie genug Kinderschutzzentren geben und nie genug Kinderschutz, der vor allem institutionell verankert ist. Das ist es, worauf wir setzen müssen und wir tun das auch, wie gerade ausgeführt, im elementarpädagogischen Bereich, aber auch bei weiteren Organisationen, Institutionen der Stadt mit den genannten Maßnahmen, Kinderschutzkonzepten, Kinderschutzbeauftragten, Kompetenzstellen, die wirklich in enger Abstimmung miteinander arbeiten, die nicht nur Präventionsarbeit anbieten, sondern auch Kontrolle für die jeweiligen Institutionen, die mit Kindern zu tun haben.
Kinderschutz ist ein hochrelevantes Thema, gerade in Situationen, wo Kinder vermehrt unter Druck stehen. Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Genauso wichtig ist es mir aber in meinem Verantwortungsbereich, den Kinderschutz aufrecht zu erhalten, sicherzustellen, aber auch weiter aufzubauen. Die MA 11 ist dabei natürlich ein ganz wichtiger Partner, nicht nur was den Kinderschutz per se betrifft, sondern auch in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen, die unsere Unterstützung und Hilfe brauchen, wie Sie auch im Regierungsprogramm sehen können. Wir sehen es ja auch aus aktuellen Zahlen und Entwicklungen, dass wir da einen großen Mehrbedarf haben und dieser auch über die nächsten Jahre erfolgen soll und erfolgen muss.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Mag. Saurer, bitte.
GR Mag. Bernd Saurer (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vizebürgermeister!
Sie haben es bereits erwähnt, neben den Kinderschutzeinrichtungen wie "die Boje", die Kinder- und Jugendanwaltschaft, MA 11, Rat auf Draht, dem Psychosozialen Dienst und "die möwe" gibt es noch unzählige weitere - und jetzt auch noch einen zweiten Standort des Kinderschutzzentrums. Meine Frage dazu, zumal das auf der Homepage nicht zu eruieren ist: In wie vielen Sprachen werden Beratungen angeboten?
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte.
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