Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 26 von 108
vor allem auch in den Schulen, nicht ein Projekt, das gut ist, dann darüber hinwegtäuscht, dass es viele andere große Baustellen gibt: Gewalt an Schulen, Schulpflichtverletzungen, Schulsozialarbeiter, die fehlen, Deutschprobleme und vieles mehr. Wir wollen noch einmal darauf hinweisen - obwohl wir zustimmen -, dass es auch noch viele andere Baustellen gibt. (Beifall bei der ÖVP.)
Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Arapović. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort.
GRin Dipl.-Ing. Selma Arapović (NEOS): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Werte Vizebürgermeisterin, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die Schule, das ist mehr als Abarbeiten des Lehrplans. Die Schule ist mehr als eine Abfolge von Fächern, Kapiteln, Tests und Schularbeiten. Die Aufgaben der Schulen sind aber heute auch ziemlich weitreichend und weit über den Lehrplan hinaus vorgesehen. Der Lehrplan ist durchaus wichtig, weil er Struktur, Ordnung und eine gemeinsame Zielvorgabe gibt, aber der Lehrplan ist so wie jeder Plan, ein Dokument seiner Zeit und die Zeit selbst, das wissen wir alle, dreht sich schneller als wir das im Alltag mitbekommen und wahrnehmen.
Ich habe es mir herausgesucht: Die Erde dreht sich wirklich ganz schnell. Wir in Wien drehen uns jetzt in diesem Moment mit 1 000 Kilometern in der Stunde um die eigene Achse, mit 100 000 Kilometern rasen wir - also in dieser Schnelligkeit - um die Sonne herum, und wir nehmen das hier und jetzt nicht wahr. Genauso schnell verändert sich der Alltag unserer Kinder und genauso oft leise. Es entstehen neue digitale Räume, bevor wir die alten noch verstanden haben. Es entstehen gesellschaftliche Herausforderungen, bevor sie im Lehrbuch stehen. Psychische Belastungen werden sichtbar, lange bevor es dafür einen Begriff gibt, geschweige denn, dass sie im Lehrbuch stehen. Und die Fragen der Demokratie, des Klimas, der Vielfalt stellen sich ständig und auf eine immer neue und andere Art und Weise.
Kein Lehrplan, egal wie oft er aktualisiert wird, kann mit diesem Tempo mithalten. Er kann nicht jede Schule, jede Klasse, jede Lebensrealität abbilden, mit denen unsere Kinder täglich konfrontiert sind. Daher ist es wichtig, dass es hier gerade die Bildungschancen gibt, denn gerade die Bildungschancen spicken, bereichern diesen Lehrplan so, dass man in der Schule den Anforderungen der Kinder, der Klasse, der Lehrerinnen und Lehrer auch entsprechen kann. (Beifall bei den NEOS.)
Uns NEOS ist die Chancengerechtigkeit tatsächlich ein großes politisches Anliegen und mir auch ein sehr persönliches, weil ich weiß, dass Kinder nicht mit den gleichen Voraussetzungen ausgestattet sind. Viele kämpfen mit der Sprache, andere mit sozialen Hürden, aber auch mit Unsicherheit oder fehlender Unterstützung. Mit den Bildungschancen schaffen wir, dass es eine Plattform, dass es Angebote für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrenden, aber auch für die Schulen gibt, die diesen Anforderungen entsprechen können und die Workshops, Kurse, Ausflüge und Ähnliches anbieten, um diesen Anforderungen zu entsprechen.
Seit dem Schuljahr 2023 haben fast eine halbe Million Schülerinnen und Schüler an diesen Angeboten teilgenommen und davon profitiert. Allein im letzten Schuljahr waren es über 280 000 Kinder aus mehr als 12 000 Klassen. Ich meine, das sind wirklich Zahlen. Von 480 Schulen in Wien haben 475 daran teilgenommen. Allein das zeigt, was für ein immenser Erfolg diese Bildungschancen sind - und wir sind wirklich sehr stolz darauf.
Wie Kollege Zierfuß vorher auch gesagt hat, gibt es Kurse und Workshops, die mehr in Anspruch genommen werden und andere vielleicht weniger. Man muss schon erwähnen, dass laufend Kurse und Angebote entstehen und sich der aktuelle Stand ständig verändert. Manche Kurse sind gerade hochgeladen worden, andere gibt es seit drei Monaten. Daher gibt es keinen Gleichstand, damit man auch vergleichen kann, wie oft und wie intensiv manche Kurse beansprucht werden. Das ändert sich ständig.
Deswegen freue ich mich auch, dass wir für das kommende Jahr 2,7 Millionen EUR für die Wiener Bildungschancen vorgesehen haben. Grundsätzlich sind es immer 4 Millionen EUR, die wir in einem Schuljahr vorsehen. Diesmal aber ist es zu einem Überhang gekommen, und daher ist diese Summe auch reduziert worden. Jede Klasse in Wien wird ungefähr 615 EUR zur Verfügung haben, die sie für die eigene Klasse einsetzen kann, aber auch klassenübergreifend für schulweite Projekte. Das stärkt aber schon auch die Autonomie, die Autonomie der Schulen, der Klassen und überhaupt unseres Bildungssystems in Wien.
Die gesamte Abwicklung erfolgt über WIENXTRA, und ich muss sagen, vorgestern bin ich auf der Plattform gewesen. Ich habe mir auch angeschaut, wie diese Plattform aufgebaut ist, und es ist wirklich sehr niederschwellig, sehr übersichtlich. Die Angebote kann man wirklich sehr gut sortiert herausfinden, je nachdem, wo welcher Bedarf in einer Klasse, in einer Schule ist, kann man wirklich gezielt dieses Angebot finden.
Was mir aber auch wichtig ist, ist zu sagen, dass die Kurse, die da angeboten werden, auch alle geprüft sind, dass es auch laufend Feedbackrunden gibt, dass eigentlich alle Kurse den Qualitätskriterien entsprechen müssen und vom unabhängigen Beirat sind die Kursanbieterinnen und -anbieter akkreditiert. Was auch wichtig ist in dieser Zeit, das ist jetzt auch sehr oft in den Medien, dass es verpflichtende Kinder- und Jugendschutzkonzepte dafür gibt.
Ich muss ehrlich sagen, ich kann mich auch an meine Schulzeit erinnern. Ich weiß, gerade diese außerordentlichen Kurse, Workshops, Ausflüge, die wir unternommen haben, haben unseren Schulalltag schon sehr belebt, lebendiger gemacht, greifbarer gemacht, haben Abwechslung hineingebracht. Gerade diese Workshops haben sich auch in die Erinnerung so stark eingeprägt und haben uns als Klasse sehr gestärkt. Daher bin ich wirklich sehr froh darüber, dass diese Chancen auch Kinder haben, unabhängig davon, aus welchem Haushalt sie kommen, unabhängig davon, wie stark die Schule ist, wie stark die Klasse ist, wie stark der Elternverein ist.
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