Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 27 von 108
Diese Kurse sind wirklich für alle zugänglich, unabhängig auch davon, mit welchen Herausforderungen sich die Kinder im Alltag beschäftigen müssen, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen. Es ist einfach weit über Wien und wie vorher gesagt, 475 von 480 Schulen haben daran teilgenommen. Das ist wirklich ein Megaerfolg und von dem her bitte ich um breite Zustimmung. - Danke schön. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Felix Stadler. - Bitte Herr Kollege, Sie haben das Wort.
GR Felix Stadler, BSc, MA (GRÜNE): Vielen Dank, sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!
Auch wir GRÜNE werden dem vorliegenden Poststück der Wiener Bildungschancen von WIENXTRA zustimmen. Ich kann als Lehrer, aber auch als Politiker sagen, es ist ein ganz gutes Programm, es ist ein nettes Programm. Wir können als Lehrerinnen und Lehrer wirklich aus einer Fülle an Angeboten auf einer wie schon erwähnt gut übersichtlichen Homepage mit auch qualitätsgeprüften Angeboten etwas aussuchen, was wir dann an unseren Schulen, in unseren Klassenzimmern tatsächlich verwenden können, anwenden können und die Workshops auch genießen können. Das ist für die Lehrerinnen und Lehrer, aber auch für die Schülerinnen und Schüler ein gutes Angebot und deswegen stimmen wir hier zu. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS.)
Ich möchte aber auch gleichzeitig sagen - und diese Kritik kam schon öfter -, es ist nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein, es verfehlt den heißen Stein sogar. Den heißen Stein greifen Sie nämlich nicht einmal an. Die Basics des Bildungssystems, die Basics dessen, was wir tagtäglich an den Schulen machen müssen, die tägliche Arbeit von hunderten und tausenden Unterrichtsstunden, die an den Schulen, an den Volksschulen, Mittelschulen in dieser Stadt passieren, werden durch dieses Programm nicht einmal im Ansatz berührt.
Daher ist die Kritik, dass Sie ein schönes Add-on an das Bildungsprogramm machen, das man auch irgendwie gut herzeigen kann. Die wirklichen Basics und das Fundament des Bildungssystems lassen Sie aber liegen, und dort greifen Sie auch als angebliche Bildungspartei die Probleme nicht einmal wirklich an. So zu tun, wir haben das vorher von Kollegin Arapović gehört, als würde das Programm der Bildungschancen die Bildungschancen einzelner Kinder tatsächlich verbessern, ist absolut vermessen.
Ich sage das vielleicht auch aus der Praxis. Wir haben diese Workshops, sie dauern zwei, drei Stunden an einem Tag in einer Klasse, im Verhältnis zu über 1 300, 1 400 Unterrichtsstunden, die diese Klasse im Jahr hat. Das sind also zwei, drei nette Stunden, verändern die Bildungschancen der Kinder an den Schulen aber wirklich nicht weitgehend. Dafür müssen Sie sich tatsächlich andere Dinge einfallen lassen als so ein Programm der Wiener Bildungschancen.
Ich möchte, nachdem ich schon die eine Metapher gebracht habe, bei einer anderen Metapher bleiben. Wenn man sich das Wiener Bildungssystem als Haus vorstellt - und man will da irgendwie ein solides, schönes Haus hinstellen -, dann sind die Wiener Bildungschancen vielleicht so etwas wie ein netter Blumentopf, den man an das Fenster hängt und dann irgendwie ein nettes Add-on am Haus hat. Währenddessen bricht Ihnen aber bei Ihrem Haus des Wiener Bildungssystems das Fundament völlig weg. Während Sie also jetzt hierher zeigen und sagen, wir haben nette Programme für unsere Schulen, bricht Ihnen das Eigentliche, nämlich das Fundament des Wiener Bildungssystems weg, um das Sie von den NEOS sich auch als angebliche Bildungspartei leider nicht kümmern. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Was wäre dieses Fundament des Wiener Bildungssystems? - Das wären genug Lehrerinnen und Lehrer, das wären genug Direktorinnen und Direktoren an Wiens Schulen. Ich möchte nur noch einmal daran erinnern, wir hatten letztes Jahr an der Hälfte aller neu besetzten Schulen keine einzige Bewerbung für den DirektorInnenposten. Es wären genug Lehrerinnen und Lehrer, genug Direktorinnen und Direktoren, gescheit renovierte Gebäude. Es ginge darum, eine effiziente Verwaltung zu haben, dass die LehrerInnen rechtzeitig ihre Verträge bekommen, dass die LehrerInnen richtige Verträge bekommen, dass die LehrerInnen rechtzeitig ein richtiges Gehalt bekommen. Oder auch im Elementarbereich, was wäre dort das Fundament? - Dass es genug PädagogInnen gibt, dass es genug KindergartenleiterInnen gibt, dass es genug AssistentInnen gibt, dass diese AssistentInnen und KindergartenpädagogInnen ihren Job ordentlich machen können, dass die Gruppen nicht übergroß sind.
All das wäre das Fundament eines Bildungssystems, das Lehrerinnen und Lehrern und Kindern tagtäglich etwas bringen und die Chancen verbessern würde und nicht ein Add-on-Programm, das ganz nett ausschaut, für das wir auch sind, aber das mit Sicherheit nicht die tagtägliche Arbeit und die Bildungschancen tatsächlich verbessert. Kümmern Sie sich wirklich lieber um das Fundament des Bildungssystems, um das Fundament der Schulen und der Elementarbildung, als nur schön ausschauende Programme in die Welt zu setzen. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Ich möchte noch auf einen Aspekt dieses Fundaments ein bisschen näher eingehen - wir haben schon oft darüber gesprochen, Kollege Zierfuß hat es vorher auch erwähnt - und das ist das Sprachenlernen oder in unserem Fall natürlich auch ganz oft das Lernen der deutschen Sprache. Wir haben es in den letzten Jahren leider hier sehr oft diskutieren müssen, die Zahlen kennen Sie alle. Es ist knapp die Hälfte aller ErstklässlerInnen an Wiens Volkschulen, die nicht ausreichend Deutsch kann, um den Unterricht folgen zu können.
Sie sind sogenannte außerordentliche SchülerInnen, die in die Schule kommen, in eine Wiener Volkschule kommen und zu einem Großteil in Wien in einem Kindergarten waren. Bis zu 80 Prozent dieser SchülerInnen, die außerordentlich sind in der ersten Klasse Volksschule, waren in Wien in einem Kindergarten - und das bis zu zwei Jahre lang. Das zeigt uns, dass die Sprachförderung an den Kindergärten Wiens leider systemisch ver
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