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Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 33 von 108

 

ich Sie gerne auch an dieses Faktum erinnern. (Beifall bei den GRÜNEN sowie von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.)

 

Ich finde es gut, dass wir in diesem Haus wieder einmal über Bildung als Schwerpunktthema reden, und auch die Bildungschancen finde ich als Lehrerin tatsächlich gut. Das ist wirklich ein niederschwelliges Projekt, das wir gerne unterstützen. Es ist wenig bürokratisch, es ist eine super Möglichkeit, sich in dem ganzen Angebotsdschungel der Workshops in der Wiener Bildungslandschaft gut zurechtzufinden. Insofern hat dieses Projekt natürlich unsere totale Zustimmung, weil - und das hat auch eine Kollegin vorhin schon gesagt - es natürlich mit einer Klasse auch etwas macht und das natürlich auch immer eine gute soziale Aktivität ist, an die man sich natürlich erinnert. Das ist ja keine Frage.

 

Nur ist das Projekt Bildungschancen vom Titel her schon eine Irreführung - Kollege Stadler hat das auch angesprochen -, weil es die Bildungschancen in dem Sinn natürlich in keinster Weise erhöht. Und die Zahlen in Wien sprechen da ja auch eine ganz klare Sprache, wenn wir an die mangelnde Deutschkompetenz denken, wenn wir an die vielen Schulabbrüche denken, wenn wir auch an überforderte LehrerInnen denken, die aus dem System aussteigen, weil sie es nicht mehr schaffen. Wenn nicht ausgebildete LehrerInnen es sind, die dieses System überhaupt noch aufrechterhalten, dann stimmt da etwas nicht, dann brauchen wir auch von Bildungschancen in diesem Kontext nicht zu reden.

 

Wir haben übrigens bezüglich der Inhalte und der Themen - ich glaube, der Kollege von der SPÖ hat die Workshops noch einmal zitiert - diese Möglichkeit auch schon im Lehrplan. Der Lehrplan deckt alle diese Themengebiete grundsätzlich ja gut ab. Das wissen alle, die unterrichten, dass der Lehrplan auch diese Themen beinhaltet. Dann frage ich mich: Wenn Sie also kritisieren, dass diese Unterrichtsinhalte zu wenig vorkommen, warum schauen Sie dann nicht, dass es zu einer besseren Evaluierung der Unterrichtsinhalte in den Schulen kommt, wenn anscheinend nicht gemacht wird, was gemacht werden müsste? - Das verstehe ich nicht. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Also Workshops schön und gut, super, wir unterstützen sie weiterhin, aber es ist natürlich richtig, dass das Fundament nicht passt: zu wenig Autonomie, zu viel Bürokratie, kaum mehr Bewerbungen für DirektorInnenstellen - manchmal null Personen oder eine Person, die sich für so einen wichtigen Posten überhaupt noch interessiert, es ist wirklich ein Trauerspiel -, die fehlende Schulsozialarbeit - es sind 122 von 500 Standorten, die das überhaupt haben. Und das ist in Landeskompetenz, das ist Fakt, auch das ist eine Kompetenz, die von Wien aus geregelt werden könnte, wenn Sie es wollten. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Abgesehen von nicht gut ausgestatteten Arbeitsplätzen für die LehrerInnen und vielen, vielen Baustellen in der Bildungsdirektion, über die wir in der Vergangenheit auch schon umfassend gesprochen haben: Wo übernehmen Sie für diese Baustellen, bitte schön, die Verantwortung? - Wir sehen es in Wien überhaupt nicht. Was wir sehen, ist, wo SPÖ und NEOS seit Jahren zuständig sind, kommen wir nicht voran - und zwar auch schon nicht im Kindergarten, wo es eigentlich ja schon beginnt mit der frühkindlichen Sprachförderung. Wir reden immer über dieses wichtige Fundament, heute in der Früh auch schon wieder. Die Frau Bildungsstadträtin hat es selbst gesagt, Sprachförderung beginnt im Kindergarten, und Sie haben die Erhöhung der Sprachförderkräfte angesprochen. Was Sie aber nie dazusagen, ist, dass es nur 40 Prozent der Standorte betrifft, beziehungsweise dass 40 Prozent der Standorte - Entschuldigung - null Sprachförderkräfte haben. Also wo sind die angesprochenen Sprachförderkräfte? - Wir finden dazu nicht einmal mehr eine Zahl oder eine Absichtserklärung in Ihrem Regierungsprogramm.

 

Die Realität der Sprachförderung schaut nämlich faktisch so aus: Es springen meist Frauen, schlecht bezahlt, von Standort zu Standort, sind wenige Stunden an einem Standort fix. So schaut die Sprachförderung im Kindergarten aus. Dazu muss man sagen, dass die sprachliche Kompetenz der Sprachförderkräfte selbst auch nicht immer ausreichend ist und dass es da einige gibt - neben denen, die wirklich einen guten Job machen -, die dringend auch eine bessere Qualifizierung bräuchten. Und das könnten Sie machen, kostenneutral im Übrigen.

 

Fakt ist, wir haben in Wien zu wenige qualifizierte Sprachförderkräfte. Wir haben mangelnde Qualität im Kindergarten, fehlende Qualitätsstandards und Kinder in Gruppen, die viel zu groß sind. Das wissen Sie, wir reden immer wieder darüber. Dort ist es natürlich noch schwieriger, überhaupt Sprachförderung zu leisten.

 

Frau Kollegin Emmerling hat auch davon gesprochen, dass es wichtig sei, Eltern ins Boot zu holen. Das unterstützen wir sehr gerne und mit Nachdruck, das sehen wir nämlich auch so, denn die PädagogInnen alleine werden das nicht schaffen, das ist keine Frage, aber wir sehen auch keine Anstrengung der rot-pinken Stadtregierung in diesem Bereich, die Eltern, die so wichtig wären, ins Boot zu holen. Wir warten also auf diesen Vorschlag, freuen uns, dass Sie das auch so sehen, aber wir sehen es bei Ihnen bislang überhaupt nicht.

 

Ich möchte noch einen Punkt ansprechen, weil Sie immer wieder sagen: Wien jetzt Hand in Hand mit dem Bund. Das höre ich ganz oft von Ihnen. Man wundert sich immer über Schulabbrüche, und dann wird gleichzeitig gekürzt - und zwar genau beim Jugendcoaching, einer sinnvollen Maßnahme, die die Schulabbrüche quasi ein bisschen hintanhalten würde. Während wir im Kindergarten zu wenig investieren, kürzen Sie beim Jugendcoaching. Genau dort, wo Jugendliche zum ersten Mal auch an ihre Grenzen stoßen, machen Sie das. Und dass das eine Maßnahme ist, die in der Praxis gut funktioniert, sagen uns DirektorInnen, sagt uns die Gewerkschaft. Die beklagt sich jetzt auch über diese Maßnahme, denn die fühlt sich von Ihrer Politik überhaupt nicht an die Hand genommen, ganz im Gegenteil. Also wir verstehen diese Einsparungen nicht. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

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