Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 41 von 108
Berichterstatterin GRin Mag. Stefanie Vasold: Ich bitte um Zustimmung.
Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Hungerländer. - Bitte.
GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren!
Eine altbekannte Diskussion. Damit es nicht langweilig wird - denn wir haben ja schon öfter Argumente ausgetauscht -, habe ich heute neue Argumente und neue Studien mitgebracht. Ich hoffe, wir kommen in der Debatte ein bisschen weiter. (Heiterkeit bei VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc und GR Mag. Josef Taucher.)
Der Grund warum wir ablehnen - das ist tatsächlich eine Wiederholung -, ist unter anderem die Vermischung von Aktivismus und Beratung, die bei COURAGE passiert. Ich habe Ihnen ein Beispiel dafür mitgebracht, was ich unter Aktivismus verstehe. Ich habe das aus dem Akt herausgenommen.
Hier steht - das ist nur ein Zitat aus vielen: Es geht darum, "dass die Transidentität oder Nicht-Binarität neben der Cis-Geschlechtlichkeit durch eine LGBTIQ*-affirmative Haltung als eine gleichwertige Normvariante verstanden und die Binarität der Geschlechter überwunden wird." - Das ist eine aktivistische Aussage.
Nähern wir uns dieser Aussage! Was bedeutet das? - Erstens bedeutet es, es gibt mehrere Geschlechter. Diese Diskussion hatten wir schon. Ich suche Frau Kollegin Kickert mit den Augen. - Ich habe mir Ihre letzte Rede zu dem Thema herausgesucht. Sie haben damals nämlich gesagt - das war für mich etwas Neues - es gibt ja auch andere Arten des Geschlechtes, zum Beispiel das neuronale Geschlecht. Das fand ich interessant. Das habe ich nicht gewusst. Deswegen dachte ich mir, ich gehe dieser Spur einmal nach. Was könnte das sein?
Ich habe einen an der Universität Wien lehrenden Evolutionsbiologen kontaktiert - denn der muss es ja wissen - und habe ihn tatsächlich völlig ergebnisoffen gefragt: Ich wurde damit konfrontiert. Gibt es unterschiedliche Arten von Geschlecht, die sich zum Beispiel neuronal oder muskulär oder wie auch immer Sie das gemeint haben ausdrücken? - Er hat milde gelächelt und gesagt: Das ist nicht der Fall.
Was es gibt, nicht nur XX- oder XY-Chromosom. Das war bis jetzt unsere Debatte. Nein, der Unterschied ist Eizelle oder Samenzelle. Das gibt es in jeder Spezies, so auch beim Menschen. Das ist binär. Innerhalb dieser zwei Geschlechter gibt es unterschiedliche Normverteilungen, zum Beispiel bei der neuronalen Ausprägung, bei der muskulären Ausprägung und bei zig anderen Ausprägungen. Das bedeutet aber nicht, dass es dadurch eigene Geschlechter gibt. (GR Georg Prack, BA: Das passt halt alles nicht in eure Glaubensgemeinschaft!)
Es gibt zwei Geschlechter: Mann und Frau. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen der Merkmale dieser Geschlechter. Es gibt aber keine Begründung, dass man mehrere Geschlechter zulässt, gesellschaftlich mehrere Geschlechter akzeptiert oder einen Verein fördert, der meint, es gäbe mehrere Geschlechter. (Beifall bei der ÖVP und von StRin Mag. Ulrike Nittmann.)
Zweiter Punkt: der Wechsel des Geschlechts. Auch das haben wir schon öfter diskutiert. Es geht dabei um die Vergabe von Pubertätsblockern und in weiterer Folge um die Hormonvergabe. Da wird oft argumentiert, dass dadurch die psychische Gesundheit der sich selber als trans identifizierenden jungen Menschen - denn mir geht es um junge Menschen - gestärkt wird. Auch da habe ich versucht herauszufinden, auf welche Studie das zurückgeht.
Das gängige Argument ist ja bekanntlich, dass die Suizidgefahr bei sich selber als trans identifizierenden Jugendlichen gesteigert ist. Das ist natürlich ein wichtiges Argument. Das muss man ernst nehmen. Ich habe nur keinen Beleg dafür gefunden, weil ich keine Differenzierung gefunden habe, dass diese gesteigerte Suizidgefahr auf Grund der Transidentität und nicht auf Grund einer anderen psychologischen Belastung besteht. Das gibt es nicht. Es gibt keine Differenzierung. Deswegen meine ich, dass dieses Argument, so wie ich es verstehe - vielleicht habe ich eine Studie übersehen -, nicht zulässig ist. (Neuerlicher Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.)
Ich habe Ihnen eine zweite Studie mitgebracht, ganz neu von April 2025, von der Oxford University. Ich meine, die ist anerkannt. Ich zitiere: Von 107 583 Patienten - es ist auf Englisch, ich übersetze es - "matched cohorts demonstrated that those undergoing surgery were at significantly higher risk for depression, anxiety, suicidal ideation and substance use and dissociative disorders than those without surgery". (Zwischenruf bei der FPÖ.)
Okay, was bedeutet das? - Es gab zwei Gruppen. Beide Gruppen haben sich als trans identifiziert. Eine Gruppe ist durch geschlechtsangleichende Behandlungen gegangen, die andere nicht. Was hat diese Studie mit 107 583 Patienten gezeigt? - Dass nach zwei Jahren diejenigen, die durch die Maßnahmen gegangen sind, ein signifikant höheres Risiko hatten, psychische Krankheiten - Mental Health - zu entwickeln, und ein deutlich höheres Risiko hatten - ich gebe es Ihnen dann, Sie können es selber herauslesen -, Drogenmissbrauch zu betreiben. Diesen Menschen ist es schlechter gegangen. Das ist die Aussage dieser Studie. Das müssen Sie auch ernst nehmen.
Wenn also Ihr Hauptargument ist, dass sich selber als trans identifizierende junge Menschen auf Grund ihrer Transsexualität eine Suizidgefahr haben, dann frage ich erstens: Wie beweisen Sie das? Zweitens sage ich: Offensichtlich sind es nicht die kurzfristigen Effekte, aber die langfristigen Effekte, dass es diesen Menschen nicht besser geht oder dass es den Menschen sogar psychisch schlechter geht. Damit muss man sich ernsthaft auseinandersetzen, bevor man einen Verein fördert, der genau solche Leute berät, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP und von StRin Mag. Ulrike Nittmann.)
Dritter Punkt aus dem Zitat: "Transfrauen sind Frauen." Das ist ja auch etwas, was wir hier öfter diskutiert haben. Das lässt sich aus der Positionierung von COU
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