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Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 45 von 108

 

bestätigen. (Neuerlicher Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.)

 

Letzte Woche wurde die umfassende Studie "Queer in Wien II" im Rahmen der großen Konferenz der WASt, der Wiener Antidiskriminierungsstelle, präsentiert, eine umfassende Studie, durchgeführt vom IHS, zur Lebenssituation von LGBTIQ+-Personen, an der fast 5 000 Personen teilgenommen haben. Bei dieser Studie kommt neben vielen anderen wichtigen Erkenntnissen - sie ist über 200 Seiten lang und geht wirklich sehr stark in die Tiefe -, eines ganz klar heraus: Trans-, Inter- und nicht binäre Menschen gehören zu den am stärksten diskriminierten Gruppen in unserer Gesellschaft. Es liegt an uns, einen Schutzschirm aufzuziehen und dieser Gruppe einen besonderen Schutz zukommen zu lassen.

 

Die zweite Studie konnten wir vor wenigen Wochen gemeinsam mit der Wiener Wirtschaftskammer präsentieren: "Diversity Management in der Dimension LGBTIQ in Wiener Unternehmen". Diese Studie bestätigt wissenschaftlich, was wir politisch schon längst wissen: Vielfalt und Diversität zahlen sich aus. Unternehmen, die LGBTIQ+-Diversity ernst nehmen, schaffen ein besseres Arbeitsklima, zufriedenere MitarbeiterInnen, weniger Fluktuation und mehr Innovationskraft. Vielfalt macht Unternehmen krisenfester und ökonomisch menschlicher.

 

Liebe KollegInnen, wir, die queere Community, fordern nicht mehr als das, was andere schon längst haben: Rechte, Würde, Sicherheit, Sichtbarkeit, eine gerechte Gesundheitsversorgung, ein Familienleben, eine Zukunft ohne Angst und dass unsere queeren Kids die Pubertät überleben und gesund erwachsen werden dürfen.

 

Wir haben schon viel erreicht, aber noch nicht genug. Wir gehen nicht zurück, keinen Schritt. Wir lassen uns nicht einschüchtern - nicht von rechten Ideologien, nicht von Hetze und auch nicht von jenen, die sich christlich nennen, aber nur menschenfeindlich argumentieren. Transrechte sind Menschenrechte. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu diesem Akt. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste ist Frau GRin Kickert zu Wort gemeldet. - Bitte.

 

13.35.53

GRin Dr. Jennifer Kickert (GRÜNE)|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren vor den Bildschirmen, oben auf der Galerie und auch hier, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich werde dem, was ich vor zwei Jahren gesagt habe, nicht viel hinzufügen, weil ich immer noch glaube, dass das, was ich damals gesagt habe, ziemlich richtig ist.

 

Ich möchte aber auf zwei Punkte eingehen, die Frau Hungerländer erwähnt hat, nämlich dass eine Hormonbehandlung selbstverständlich Auswirkungen auf die körperliche Integrität hat und dass solche Entscheidungen nicht leichtfertig gefällt werden sollten. Das ist ja der Grund, warum wir solche Organisationen wie COURAGE fördern, weil in diesen Institutionen eine ausführliche Beratung stattfindet. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS. - Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer und von StR Dominik Nepp, MA.)

 

Frau Hungerländer, Sie zitieren hier immer Eltern, die das eine sehen und das andere nicht. Interessanterweise kenne ich viele Betroffene, die durch die COURAGE-Beratung gegangen sind und mir genau das Gegenteil erzählen. Sie sagen, es war eine ausgesprochen langwierige Beratung - manchmal länger, als sie es haben wollten oder sich zu Beginn vorgestellt haben -, dass aber eine Therapie halt länger braucht, als man vielleicht manchmal annimmt, und dass sehr wohl über Vorteile und auch Nachteile gesprochen wird. Denn genau das ist es ja, was die Grundlage für eine Entscheidung ist. Man muss gut informiert sein.

 

Meines Wissens und erstaunlicherweise auch meiner persönlichen Erfahrung nach passiert genau das bei den Beratungen in der COURAGE. Wenn man sich auf Zeitungsberichte stürzt - das kann man machen. Ich habe heute beim Warten auf einen HNO-Termin, den ich vorher hatte, einen Post von Armin Wolf gelesen, der die Definition von Gerhard Bacher genommen hat: "Journalismus ist die Unterscheidung zwischen wahr und unwahr, zwischen wichtig und unwichtig und zwischen Sinn und Unsinn."

 

Ich würde sagen, das, was die "Kronen Zeitung" oftmals macht, ist nicht Journalismus in der Definition von Gerhard Bacher. Sich daher auf solche Artikel zu berufen, ist aus meiner Sicht auch nicht die beste Voraussetzung für eine halbwegs evidenzbasierte politische Entscheidung. (StR Dominik Nepp, MA: … Politik vom "Standard"!)

 

Ich werde Sie offensichtlich nicht davon überzeugen. Sie wollen es auch nicht. Sie haben auch nie - wie soll ich sagen? - das Angebot angenommen, COURAGE zu besuchen und sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie sind sich Ihrer Sache sicher. So soll es sein. Ich bin mir meiner Sache ebenso sicher. Nur schaffe ich es, nicht menschenverachtend zu argumentieren. Ich schaffe es, Personen, die davon betroffen sind, nicht herabzusetzen, was ich nicht von allen Kollegen in diesem Saal behaupten kann. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.)

 

Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster ist Herr GR Weber zu Wort gemeldet. - Bitte.

 

13.40.01

GR Thomas Weber (NEOS)|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, Frau Berichterstatterin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste auf der Galerie! Ich glaube, wenn wir der heutigen Diskussion zuhören, dann zeigt die Art und Weise, wie heute von der FPÖ, aber auch von Teilen der ÖVP argumentiert, diskutiert, skandalisiert und kampagnisiert wird, wie wichtig die Beratungsstelle COURAGE in unserer Stadt ist. (Beifall bei den NEOS.)

 

Denn in einer Zeit, in der queere Themen bewusst verzerrt, aufgeheizt und immer wieder als Bedrohung dargestellt werden, braucht es eben Orte, an denen Fakten, Expertise und professionelle Unterstützung im Vordergrund stehen. Genau so ein Ort ist die Beratungsstelle COURAGE. (Beifall bei den NEOS.)

 

Seit 25 Jahren ist COURAGE eine der wichtigsten psychosozialen Anlaufstellen für queere Menschen, für ihre Angelegenheiten und für ihre Angehörigen. Der Bedarf ist tatsächlich enorm. 2024 gab es über

 

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