Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 47 von 108
zeigt vor allem eines: Die FPÖ hat kein Interesse an Fakten. Sie hat nur Interesse an Feindbildern. Wer Politik auf Feindbildern aufbaut, der beweist vor allem eines: dass er für nichts eine Lösung hat. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist Frau GRin Hungerländer zu Wort gemeldet. - Es sind sechs Minuten Restredezeit, die ich Ihnen einstelle. - Bitte.
GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Sehr geehrte Damen und Herren! Nehmen Sie meine zweite Wortmeldung als Ausdruck dessen, wie wichtig mir das Thema ist, und zwar dann, wenn es um Jugendliche geht, die in Richtungen beraten werden, die irreversibel sind. Lassen Sie mich aber ein paar Antworten zu den Vorrednern geben!
Dieser Fall Waltraud ist erst durch die Selbstveröffentlichung zutage gekommen. Wäre Frau Waltraud nicht an die Öffentlichkeit gegangen, wäre alles problemlos durchgegangen, weil es systemisch möglich ist. Das hat Frau Waltraud gezeigt. Ich würde Ihnen raten, nicht von dieser Person zu sprechen oder den männlichen Namen zu benutzen. Frau Waltraud ist eine Frau, also bitte nicht missgendern. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)
Zum Thema transaffirmativ und zu Konversionstherapien. Ich erinnere an den inzwischen sehr bekannten Fall Bell gegen Tavistock. Darin geht es genau um das Thema, dass junge Menschen geklagt haben, dass sie - das war in Großbritannien - nicht richtig beraten wurden. (Zwischenruf von StR Peter Kraus, MSc.)
Junge Menschen wurden falsch beraten, nämlich affirmativ, haben sich einer Behandlung unterzogen und sind dann draufgekommen, sie sind doch nicht in dem Geschlecht, sondern hatten andere psychische Probleme oder waren homosexuell, standen aber mit einem Körper da, der verändert war - und zwar irreversibel. Sie erinnern sich daran, wie der Fall Bell gegen Tavistock ausgegangen ist? - Die Klinik wurde geschlossen. (StR Peter Kraus, MSc: In England! Das ist ja ganz …!)
Also, ja, es gibt berechtigte Kritik an affirmativen Behandlungsmethoden. Es gibt einen Grund, warum wir Konversionstherapien für Transjugendliche ablehnen, weil der Frage, wie man jemanden berät und eruiert, ob diese Person tatsächlich transident ist oder vor einer anderen Herausforderung steht, bei einer affirmativen Behandlung nicht nachgegangen wird.
Das kritisiere nicht ich, denn ich bin keine Jugendtherapeutin, sondern das kritisieren PsychologInnen und JugendtherapeutInnen, die mit uns zusammenarbeiten, die uns das erklären und die wir fragen. Auch das sind ExpertInnen, die genau so recht haben oder nicht recht haben, Frau Kollegin Kickert, und die genauso angehört werden müssen. Sie hören sich eine Seite an. Seit Jahren erzählen wir Ihnen hier, es gibt eine zweite Seite. Es gibt Evidenz für andere Meinungen von anderen Experten. Sie blenden das einfach aus.
Was mich am meisten ärgert - das geht jetzt in Richtung Frau Kollegin Haase und Frau Kollegin Kickert -, ist, uns zu unterstellen, wir hätten rechte Rhetorik (GR Georg Prack, BA: Ja!), die antidemokratisch ist, weil ich mich hier herstelle und sage, dass ich es falsch finde, dass Jugendliche affirmativ beraten werden, und dass ich es falsch finde, dass auf der Seite von COURAGE an keiner Stelle aufgeklärt wird, dass Hormontherapien irreversibel sind. (Zwischenruf bei den GRÜNEN. - StR Peter Kraus, MSc: Gehen Sie einmal hin!) - Das stimmt sehr wohl. Ich habe mir die gesamte Seite Wort für Wort durchgelesen. An keiner Stelle wird darüber aufgeklärt, dass Pubertätsblocker irreversible Folgen haben. Das kritisiere ich.
Sie kommen heraus und sagen, das ist antidemokratisch. Das ist Ihr Beitrag zu einer demokratischen Debatte? Das ist Ihr Beitrag zu einer sachlichen Debatte hier, meine Damen und Herren? - Sie sprechen von Frauenrechten. Frauenrechte sind für mich Rechte biologischer Frauen, meine Damen und Herren. (StR Peter Kraus, MSc: Für Sie, okay!)
Ich weise es von mir, dass unsere Meinung und meine Rede, die von Studien, von Evidenz und von sachlichen Argumenten getragen war, als menschenverachtend, als rechts und - besonders interessant - als antidemokratisch und als Personen herabsetzend geframt wird. Das ist Ihrerseits kein sachlicher Beitrag zu einer Auseinandersetzung.
Ich erwarte aber, dass Sie evidenzbasiert argumentieren. Denn hier geht es um ein ernstes Thema. Hier geht es um die körperliche Integrität von jungen Menschen und besonders von jungen Frauen, denn sie sind die Hauptbetroffenen. Diese Debatte muss ernsthaft geführt werden. (Beifall bei der ÖVP.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich GRin Hu gemeldet. - Bitte.
GRin Jing Hu, BA, MPharm (NEOS): Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Frau Vorsitzende! Ich möchte nur tatsächlich berichtigen.
Ich habe mir auch die Homepage angesehen. Hier (die Rednerin zeigt eine Grafik auf ihrem Notebook, die mit den Überschriften "Diagnostischer Prozess" und "Therapeutischer Prozess" beschriftet ist) sieht man, wie kompliziert es eigentlich ist, eine Geschlechtsumwandlung zu vollziehen. Man wird schon vor Gefahren gewarnt. Einen Moment.
Hier steht: "Die im Handel verfügbaren Arzneimittel, die zur Behandlung von Trans- und nicht binären Personen eingesetzt werden, sind für diese Behandlungen nicht zugelassen." - Hier steht also, dass sie darauf hinweisen, dass sie nicht zugelassen sind. Das nennt man einen medizinischen Off-Label-Use. Das bedeutet, wenn ein Arzt oder eine Ärztin einen medizinischen Off-Label-Use verordnet, muss das streng dokumentiert werden, weil die zugelassenen Medikamente dafür einfach nicht vorsehen sind. (Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Da sind die Regeln sehr streng. Wenn man also einem Arzt oder einer Ärztin jetzt vorwirft, dass sie ihre Arbeit nicht tun, dann rege ich mich als Gesundheitssprecherin wirklich auf. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - GR Harald Zierfuß: Das hat keiner gemacht!)
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