Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 57 von 108
produktionshaus Wien GmbH, und ich ersuche die Berichterstatterin, GRin Samel, die Verhandlung einzuleiten.
Berichterstatterin GRin Mag. Dr. Ewa Samel: Ich ersuche um Zustimmung.
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort gemeldet hat sich StR Berger. - Bitte, Sie sind am Wort.
StR Stefan Berger: Frau Vorsitzende, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Frau Stadträtin!
Herzlich willkommen zu einer wahrscheinlich recht kurzweiligen Kulturdiskussion anlässlich der heutigen Gemeinderatssitzung. So viele Anträge aus diesem Geschäftsbereich haben wir ja heute nicht auf der Tagesordnung. Der Antrag auf eine Förderung für das Koproduktionshaus beziehungsweise die brut Wien GmbH ist ein Förderantrag, der eine Erhöhung darstellt zur ursprünglichen Förderung und grundsätzlich nicht so isoliert dargestellt werden kann, wie er auf der Tagesordnung steht. Denn es ist tatsächlich so, dass es sich bei diesem Antragsteller - das habe ich nachschauen lassen - immerhin um den 13. Förderantrag in den vergangenen fünf Jahren handelt, der adressiert war an die Stadt Wien, meine Damen und Herren, also nicht an den Bund oder andere Kooperationspartner, die sonst noch ausgenützt werden, um entsprechend an öffentliche Fördermittel zu gelangen.
13 Förderanträge rein an die Stadt Wien in den letzten fünf Jahren! Diese Frequenz an Förderanträgen und vor allem immer wieder die Urgenz um Fördererhöhungen zeigt doch, dass es sich da eher nicht um eine verlässlich kalkulierende Einrichtung handelt, sondern gewissermaßen um ein Dauerprojekt, das laufend nachjustiert werden muss und ständig nachfordert, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Tatsache ist auch, das wir mittlerweile seit Jahren eine gewissermaßen chronische Baustellensituation vorfinden. Die temporäre Hauptspielstätte momentan befindet sich im Bereich des Nordwestbahnhofviertels. Gleichzeitig wird parallel dazu im 3. Bezirk jetzt eine neue Hauptspielstätte errichtet. Was sehen wir mittlerweile auch seit geraumer Zeit? - Gewissermaßen eine Konstante sind bei diesem Förderantragsteller Verzögerungen, Kostensteigerungen und auch fehlende Klarheit.
Deswegen haben wir auch schon in den letzten Abstimmungen bei diesem Antragsteller unsere Zustimmung verweigert - nicht aus Prinzip, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, sondern einfach, weil wir schlichtweg Mängel im Bereich des Projektmanagements sehen und die Förderwürdigkeit entsprechend in Frage stellen.
Jetzt ist auch noch die Situation die, dass es zu einem Wechsel im Bereich der künstlerischen Leitung kommt, verbunden natürlich womit? - Mit weiteren Förderansuchen schon in der Vergangenheit und mit zusätzlichen Budgetförderungen, selbstverständlich auch aus dem Bereich der Fördermittel der Stadt Wien.
Wir sehen da durchaus, dass wir eine Ressortverantwortung haben, die diese Häuser entsprechend schützt, stützt und durchwinkt wie schon in der Vergangenheit - und zwar mit einer Konsequenz und einer Gutmütigkeit, von der andere Förderantragsteller anderer Projekte nur träumen können, wo oftmals Monate oder gar jahrelang um Subventionen gerungen werden muss. Offensichtlich aber genügt bei diesem Fördernehmer, bekommt man den Eindruck, schlichtweg das Handaufhalten und man ist dementsprechend erfolgreich.
Denn ja, andere Fördernehmer bekommen durchaus über die Medien ausgerichtet, dass sie für die zukünftige Subvention rund 10 Prozent einzusparen haben. Die klamme Budgetsituation, nicht nur im Kulturbudget, sondern auch insgesamt in der Stadt Wien, ist ja mittlerweile allgemein bekannt. Und das ist natürlich auch eine Vorgangsweise, bei der sich der eine oder andere Künstler in der einen oder anderen Situation mittlerweile schon nachdenklich am Kopf kratzt.
Und ja, es gibt ja auch durchaus andere Bereiche. Jetzt ist ja unlängst auch die Streichung der Arbeitsstipendien publik geworden, die wir bekanntermaßen auch in den vergangenen Jahren hier einstimmig beschlossen haben. Auch dort kommt es zu massiven Streichungen. Und ja, viele fragen sich dann natürlich auch: Wozu und wofür kommt es zu diesen Streichungen?
Und unlängst - weil wir schon diesen Antragsteller hier haben - habe ich mir erlaubt, in das Programm zu schauen. Sehr nahe in der Vergangenheit, nämlich am vergangenen Wochenende, ist dort ein - ich setze das einmal unter Anführungszeichen - "Künstlerkollektiv" unter dem Titel "Dragsau" aufgetreten. Der phonetische Gleichklang mit Drecksau ist wahrscheinlich nicht zufällig gewählt. Es ist selbstverständlich, wie mittlerweile in mehreren Bereichen der Stadt Wien, eine Veranstaltung, bei der Personen als Dragdarsteller auftreten, bei der es dann entsprechende Einlass- oder Rahmenbedingungen gibt, dass Leute nur mit einem negativen Corona-Test hinkommen sollen - wohlgemerkt: am 15. November 2025 -, ansonsten, bitte, eine FFP-2-Maske mitnehmen sollen. Es gibt auch Masken zum Verleih. Also wer da vielleicht noch einen Maskenfetisch pflegt, der soll ihn vielleicht nicht in einem öffentlich subventionierten Haus der Stadt Wien pflegen. (Beifall bei der FPÖ.)
Ja, das Ganze - als Veranstaltungsbeschreibung - findet bei gedimmten Licht statt, und es gibt auch Stimulationstoys zum Verleih. Jeder, der eine Veranstaltung unter diesem Titel wahrnehmen wird, wird sich wahrscheinlich vorstellen können, dass es sich dabei nicht um im Bereich der darstellenden Kunst übliche Requisiten handelt, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und ja, die Herrschaften - darauf bin ich auch zufällig gestoßen - setzen sich in ihrem Repertoire auch künstlerisch auseinander, zum Beispiel unter dem Titel "Drag me to Church", wobei dann Darsteller als "Heiliges Trans von Assissy" auftreten, in Anlehnung an einen christlichen Heiligen.
Und ja, es ist, wie man es auch so oft sieht, in einer gewissen Blase ein besonders mutiges und heldenhaftes Abarbeiten an einer Religion, an der Kirche und so weiter. Ich habe es eh schon ein paarmal erwähnt: Ich würde es als besonders heldenhaft ansehen, wenn man sich vielleicht einmal eine andere Religion hernimmt. Und da meine ich nicht den Buddhismus, meine sehr geehrten
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