Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 58 von 108
Damen und Herren. Aber so heldenhaft, so couragiert und so mutig ist man dann unter dem Strich vielleicht doch nicht, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Und da sollen schlichtweg Fördernehmer, Arbeitsstipendiaten, die sich das anschauen, das ernst nehmen, wenn sie keine Aussicht mehr auf Unterstützung haben, aber diverse Bühnen halt für solche Auftritte doch Subventionen erhalten, ja. Was sollen sich junge Künstlerinnen und Künstler dabei denken, die seriös arbeiten, sich weiterentwickeln und nicht auf Provokation um der Provokation willen setzen?
Meine sehr geehrten Damen und Herren, insbesondere in dieser klammen Budgetsituation, in der sich die Stadt Wien ja befindet, geht es vor allem um Fairness, um Fairness gegenüber denjenigen, die solide, verantwortungsbewusst und ernsthaft handeln und arbeiten, um Fairness auch gegenüber jenen, die in der Stadt ohne einen medialen Schutzschirm, ohne politische Sonderbehandlung durch die Ressortführung Kultur schaffen. Vor allem aber geht es im Sinne eines verantwortungsvollen Einsatzes von öffentlichen Mitteln auch darum, dass man sich an klaren Standards zu orientieren hat und nicht an persönlichen Vorlieben oder irgendwelchen ideologischen Sympathien.
Unter diesen Umständen werden wir dieser Förderung dementsprechend, wie schon eingangs erwähnt, nicht zustimmen. Wir bleiben in dieser Hinsicht auf jeden Fall konsequent: keine Zustimmung zu Projekten, zu Organisationen, zu Institutionen, zu Plattformen, zu Bühnen, die nicht wirtschaftlich sauber geführt werden. Und das haben wir in den letzten Jahren schon immer wieder mit zusätzlichen Förderantragsstellungen gesehen, wobei inhaltlich die Ausgestaltung ja mittlerweile immer mehr Fragen aufwirft und unserer Ansicht nach auch im Vergleich zu vielen anderen Förderantragsstellern schlichtweg nicht fair mit den Kulturmitteln der Stadt umgegangen wird. - Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Weninger. Ich erteile es ihr.
GRin Katharina Weninger, BA (SPÖ): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren!
Gleich zu Beginn vielleicht einmal zu den Arbeitsstipendien: Die werden natürlich nicht gestrichen. Es kommt leider auch dort zu Kürzungen, ja, aber es wird auch umgeschichtet. Und zum Beispiel in der Literatur ist das nicht das Gleiche wie Streichen, weil auch umgeschichtet wird. Das heißt, dort, wo es wirklich benötigt wird, wo es auch besonders viele Einreichungen gibt, wie zum Beispiel in der Literatur, gibt es zukünftig sogar mehr. Und das ist keine Streichung, das ist sogar eine Erhöhung.
Aber wir reden jetzt nicht über die Arbeitsstipendien, sondern über das brut, und das freut mich besonders, weil das eine wirklich tolle Einrichtung in Wien ist. Ja, es ist eigentlich sogar eines der wichtigsten Häuser für zeitgenössische Performance in Wien. Das brut steht vor einem großen Umbruch, das haben Sie auch schon angeführt. Bald ist Schluss in der Nordwestbahnstraße, dann kommt eine Übergangssaison ohne feste Spielstätte und dann der Einzug ins neue Zuhause in Sankt Marx.
Das ist ein Kraftakt - planen, den Bauprozess begleiten, die neue Nachbarschaft kennenlernen, die Zwischensaison organisieren, die künstlerische Leitung übergeben - alles gleichzeitig. Und dafür braucht es 50 000 EUR mehr. Wofür? - Fürs Personal, weil das Team nebenbei auch noch den normalen Spielbetrieb stemmt, fürs Atelier brut in der Karl-Farkas-Gasse, ein Büro direkt neben der neuen Spielstätte, um den Bauprozess zu begleiten, um mit KünstlerInnen in Kontakt zu bleiben, und für die sogenannte brut box, einen Container als Infopoint, damit die Nachbarschaft schon jetzt weiß: Hier wird es bald was Neues geben.
Ich finde, das brut macht es genau richtig. Sie warten nicht bis zum Einzug und hoffen, dass es dann klappt. Sie bereiten jetzt vor, sie vernetzen sich jetzt, sie etablieren den Standort jetzt - und deswegen braucht es auch jetzt dieses zusätzliche Geld. Das ist vorausschauend, das ist professionell, und das ist der Grund, warum das brut seit Jahren ein verlässlicher Partner für die freie Szene ist. (StR Stefan Berger: Besonders professionell ist, wenn man schon ... Förderung hineinkalkuliert! Das ist besonders professionell!)
Die FPÖ wird natürlich auch diese Kulturförderung wieder ablehnen. Sie haben vorhin gesagt, das hat nichts mit dem Projekt an sich zu tun. In der weiteren Rede hat man dann gemerkt, dass dem nicht so ist. Es passt wahrscheinlich nicht in Ihr Kulturverständnis, nicht in Ihr Weltbild.
Wir sehen das anders. Dieses zusätzliche Geld für einen geordneten Übergang, für eines der wichtigsten Häuser der freien Szene, ist gut investiertes Geld. Das brut hat sich den Ruf erarbeitet, experimentierfreudig, risikobereit und international vernetzt zu sein, ein Haus, das Wien als Kulturstadt stärkt. Diesen Übergang gut zu begleiten, kann nur ein Gewinn für Wien sein. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort.
Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 20. Ich bitte um ein Zeichen der Zustimmung. - Die Zustimmung erfolgt bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN gegen FPÖ und ÖVP, mehrstimmig angenommen.
Es gelangt nunmehr Postnummer 12 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Sachkreditgenehmigung für die Radwegherstellung in Wien 3, Landstraßer Hauptstraße (Juchgasse - Schlachthausgasse). Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Sucher, die Verhandlung einzuleiten.
Berichterstatterin GRin Cornelia Sucher, BA: Ich bitte um Zustimmung.
Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Mag. Pipal-Leixner. Ich erteile es ihr.
GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA (NEOS): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Liebe ZuhörerInnen via Livestream, liebe Kolleginnen und Kollegen!
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