Landtag, 37. Sitzung vom 21.11.2024, Wörtliches Protokoll - Seite 6 von 62
von zirka 50 Personen, das auch notwendig war, weil damals in der Pandemie auch die Herausforderung war, dass bei einem nicht voll digitalisierten Verfahren die Antragstellung extrem schwierig war. Das heißt, da haben wir gleich zu Beginn 50 Personen aufgenommen.
Wir haben dann weiterhin aufgestockt, jetzt zuletzt um 100 Personen, sodass die Behörde jetzt 717 MitarbeiterInnen hat. Das Erfreuliche in diesem Bereich ist: Wir finden ausreichend Fachkräfte. Wir sind sehr beliebt als Arbeitgeber in diesem Bereich. Das heißt, auch wenn wir mehr als 30 Stellen gleichzeitig ausschreiben, können wir ohne Probleme alle besetzen. Das Interesse, bei der Stadt Wien zu arbeiten, ist sehr groß, und das Interesse, bei der MA 35 zu arbeiten, ist sehr groß, was mich sehr freut, weil sich hier auch das Image deutlich verbessert hat, was wir bei denen sehen, die auch für uns arbeiten.
Die Fluktuation ist aber weiterhin auf einem Level, das zwar vergleichbar ist mit jenem in anderen Bereichen der Stadt, in denen viele MitarbeiterInnen neu aufgenommen werden, wobei aber unser Ziel ist, dieses auch weiter zu senken.
Präsident Ernst Woller: Danke.
Wir kommen zur 2. Anfrage (FSP-1524760-2024-KGR/LM). Die 2. Anfrage wurde von Herrn Abg. Stadler gestellt und ist an den Herrn Amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Bildung, Jugend, Integration und Transparenz gerichtet. (Sehr geehrter Herr Landeshauptmann-Stellvertreter! Die Herausforderungen an Wiens Pflichtschulen sind enorm: Der Personalmangel ist gravierender denn je, es fehlt an notwendigem Unterstützungspersonal an den Schulen und eine überbordende Bürokratie prägt den Arbeitsalltag. Wie viele Stellen des von der Landesregierung erstellten Dienstpostenplanes für das Schuljahr 2024/2025 sind derzeit nicht besetzt?)
Ich ersuche um Beantwortung.
Lhptm-Stv. Christoph Wiederkehr, MA: Wir kommen vom Bereich der Einwanderung zur Schule und zu den Lehrkräften und zur Frage, welche an Wiener Schulen fehlen. Es ist allgemein bekannt, dass Österreich-weit ein Fachkräftemangel herrscht, insbesondere bei Lehrkräften in allen Bundesländern, und da insbesondere in der Volksschule. Das hat unterschiedliche Gründe. Es ist einerseits dadurch bedingt, dass jahrelang zu wenig ausgebildet worden ist, dass es auch Anreize gab, das Lehramtsstudium erst gar nicht zu beginnen. Ich kann mich selber an Elisabeth Gehrer und ihren Brief erinnern - ich zumindest habe ihn bekommen -, in dem mir gesagt wurde, dass ich nicht Lehrer werden soll. Es ist aber ein wunderbarer, wichtiger Beruf, und das war schon ein Fehler der Vergangenheit.
Darüber hinaus haben wir zusätzliche Pensionierungen, und ein Aspekt, der wenig gesehen wird, ist, dass immer mehr beginnen, in Teilzeit zu arbeiten. Dementsprechend haben wir mit zusätzlichen Pensionierungen und mehr Teilzeit ein zusätzliches Delta an Personen, die zusätzlich ausgebildet werden müssen. Zum Teil wurde das offene Delta geschlossen durch Möglichkeiten des Quereinstiegs, die aber im Bereich der Volksschule noch besonders schwierig sind.
Was heißt das konkret in Zahlen? Es haben mit Schulbeginn 1.600 Personen neu an Wiener Schulen begonnen - eine gewaltige Anzahl, ich kenne kaum Arbeitgeber, die in einem Jahr so viele Personen einstellen -, 1.000 davon im Pflichtschulbereich. Das war notwendig, weil wir in diesem Schuljahr 137 neue Schulklassen aufgemacht haben - eine unglaubliche Anzahl, die nur möglich war durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Schulerhalterin MA 56, Bildungsdirektion und allen, die in diesem System arbeiten. Dafür möchte ich auch hier einmal ein herzliches Dankeschön sagen. Dass das mit Schulstart überhaupt gelungen ist, war wirklich erstaunlich und ist positiv hervorzuheben. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Ganz konkret zur Frage - ich beantworte sie mit dem Stichtag 18.11.2024: Es sind 16.528 Landeslehrpersonen angestellt. Es sind insgesamt 13.719 Planstellen genehmigt. Sie wissen, es sind unterschiedliche Töpfe, aus denen diese Planstellen kommen, auch das Land Wien zahlt da dazu. Wir haben im kommenden Ausschreibungsfenster 271 Stellen zur Ausschreibung gebracht. Davon gibt es aber viele, die auch nur wenige Stunden beinhalten. Das heißt, es sind nicht 271 Planstellen, sondern Personen, zum Teil auch mit wenigen Stunden.
Wir haben aktuell eine Vakanz von unter 1,5 Prozent. Diese Vakanz ist in großen Betrieben, aber auch in der Verwaltung auch üblich, sie ergibt sich durch Karenzierungen, durch Pensionierungen auch unterm Jahr. Dadurch, dass es jetzt so viele Bewerbungsfenster gibt, können wir auch laufend neu Personal finden. Die nächsten Bewerbungsfenster sind: November, es wird eines im Jänner geben und eines im Februar geben. Auch die nächsten Bewerbungsfenster sind also schon fixiert, damit es möglich ist, laufend neues Personal zu finden.
Präsident Ernst Woller: Danke. Die 1. Zusatzfrage wird von Herrn Abg. Stadler gestellt. Ich erteile ihm das Wort.
Abg. Felix Stadler, BSc, MA (GRÜNE): Guten Morgen, Herr Landeshauptmann-Stellvertreter! Vielen Dank für die Ausführungen, auch für die genauen Zahlen. Ich würde gerne einen Aspekt herausgreifen: Sie haben gesagt, es gibt viele Gründe, warum es einen Lehrkräftemangel gibt. Ein Grund ist auch, dass immer mehr Leute den Job wieder verlassen, obwohl sie drin waren, und das liegt vor allem auch an den Arbeitsbedingungen, aber auch - und das habe ich selbst schon erfahren und habe es in den letzten Wochen öfter gehört - daran, dass die LehrerInnen nicht mehr damit leben wollen, dass sie falsche Gehälter bekommen, falsch eingestuft werden. Sie haben selbst gesagt, 1.600 Lehrerinnen und Lehrer wurden neu eingestellt. Wir haben in den vergangenen Wochen sehr viele Meldungen von verschiedenen Schulen bekommen, wo Lehrerinnen und Lehrer auch drei Monate nach Schulbeginn noch das falsche Gehalt ausgezahlt bekommen, weil sie falsch eingestuft sind, weil sie offiziell die falsche Stundenanzahl haben, weil sie also zum Beispiel nur noch Halbzeit unterrichten, aber Vollzeit bezahlt werden oder umgekehrt.
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