Landtag, 37. Sitzung vom 21.11.2024, Wörtliches Protokoll - Seite 9 von 62
schriftlich, da Sie die Zahlen ja schon erhoben haben: Wie schaut es bei den Erstklässlern aus, wie viel Prozent sind da außerordentliche Schüler? Ist das angestiegen?
Präsident Ernst Woller: Bitte um Beantwortung.
Lhptm-Stv. Christoph Wiederkehr, MA: Ja, es ist auch dort angestiegen. Die Anfragebeantwortung habe ich freigegeben, Sie werden in Kürze alle weiteren Informationen auch in der Anfragebeantwortung sehen. Ich habe auch vorhin bei der Beantwortung nur einen Aspekt hervorgehoben - Migration und Familienzusammenführung -, es gibt aber auch ganz viele andere. Ein Aspekt, der zwar nicht mehr diskutiert wird, der aber massiv ist, waren die Schulschließungen während der Corona-Zeit, und nicht nur die Schulschließungen, sondern - noch viel dramatischer - auch das Aussetzen des verpflichtenden Kindergartenjahres. Das heißt, die Entwicklungen, die wir sehen, haben auch noch mit dieser damaligen Zeit mit zu tun, und daraus begründet sich zum Teil auch der große Anstieg.
Es gibt aber auch viele andere Faktoren. Was mir gesellschaftspolitisch extrem wichtig ist, ist, dafür zu sensibilisieren, wie mit Kleinstkindern kommuniziert wird. Durch die Smartphonesucht, auch von Elternteilen, wird mit Kindern viel weniger kommuniziert. Das heißt, wir haben eine gesellschaftliche Realität, in der Kinder weniger Bindung als früher erfahren - durch die Konkurrenz von digitalen Endgeräten - und damit weniger der Sprache ausgesetzt sind. Das hat massive Auswirkungen auch auf den Deutscherwerb, wenn zum Beispiel zu Hause Deutsch die Muttersprache ist. Dadurch sehen wir, dass auch Personen, die hier aufwachsen, vermehrt Defizite in der deutschen Sprache haben.
Das sind sehr komplexe Zusammenhänge, es ist aber extrem wichtig, sie zu analysieren und konsequent anzugehen. Ich möchte nämlich auch sagen, dass nicht nur Wien davon betroffen ist. Es gibt andere Bundesländer, bei denen die Entwicklung der Zahlen noch viel dramatischer ist. Ich sage das nicht, um das zu relativieren - ich finde es dramatisch -, sondern um es in einen Gesamtkontext zu setzen, dass es eine Österreich-weite Herausforderung ist, der wir uns stellen müssen.
Präsident Ernst Woller: Danke. Die 2. Zusatzfrage wird von Herrn Abg. Krauss gestellt. Ich erteile ihm das Wort.
Abg. Maximilian Krauss, MA (FPÖ): Sehr geehrter Herr Stadtrat! Sie haben jetzt darüber gesprochen, dass die Zahl der außerordentlichen Schüler wieder gestiegen ist. In den Volksschulen liegt sie - haben Sie, glaube ich, gesagt - mittlerweile bei über 21 Prozent. Gibt es eine Erhebung, wie hoch die Zahl der außerordentlichen Schüler ohne österreichische Staatsbürgerschaft ist?
Präsident Ernst Woller: Bitte um Beantwortung.
Lhptm-Stv. Christoph Wiederkehr, MA: Ja, die gibt es. Ich habe sie jetzt nicht bei mir, aber diese Frage ist auch in der Anfragebeantwortung schriftlich beantwortet. Die Zahl ist in Kürze abrufbar. (StR Dominik Nepp, MA - in Richtung Abg. Harald Zierfuß: Wie hoch ist sie? - Heiterkeit bei FPÖ, ÖVP und NEOS.) Er hat sie noch nicht, glaube ich.
Präsident Ernst Woller: Die 3. Zusatzfrage wird von Frau Abg. Malle gestellt. Ich erteile ihr das Wort.
Abg. Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Guten Morgen, Herr Landeshauptmann-Stellvertreter! Das Thema jetzt sind ja außerordentliche SchülerInnen, das Problem beginnt aber natürlich schon viel früher, nämlich - wir haben schon ein bisschen darüber geredet - im Kindergarten. Wir waren im März auf der Bildungsausschussreise in Hamburg, parteiübergreifend, und haben dort eigentlich ein sehr gut funktionierendes Bildungssystem gesehen. Kinder werden dort auch immer wieder getestet, Kompetenzchecks unterzogen, und die Sprachkompetenz wird regelmäßig evaluiert.
Jetzt ist meine Frage: Wie stehen Sie dazu? Was kann von diesem Hamburger Modell auf Wien übertragen werden? Und würden Sie etwas aus Hamburg mitnehmen?
Präsident Ernst Woller: Bitte um Beantwortung.
Lhptm-Stv. Christoph Wiederkehr, MA: Ich nehme ganz viel aus Hamburg mit, weil sie dort ein Bildungssystem mit sehr viel Autonomie haben und auch viele Ideen von einem Chancenindex implementiert haben, sowohl Kindergarten als auch Schule. Ich finde auch diese standardisierten Testungen sehr wichtig, auch im Kindergarten - das machen wir ja auch in Wien. Das gibt natürlich auch einen Überblick, wie der Deutscherwerb im Kindergarten funktioniert. Es gibt auch auf Grund der Anzahl der Kinder, die Deutschdefizite haben, dann die Möglichkeit einer zentralen Deutschförderkraft, die von der Stadt auch für private Träger zur Verfügung gestellt wird.
Weitere Schritte sind sicher notwendig, auch der Ausbau in diesem Bereich und auch die gesamte Auseinandersetzung im Feld, wie wir den Deutscherwerb auch integrativ in den Gruppen verbessern können, weil natürlich eine Kraft von außen punktuell unterstützen kann, aber der Spracherwerb natürlich auch in der Gruppe stattfinden muss. Hier muss das gemeinsame Ziel sein, mittelfristig auch Gruppengrößen zu verkleinern, damit Beziehungsrelationen besser werden, damit auch mehr Spracherwerb möglich ist, und auch die Art der Deutschförderung muss pädagogisch noch mehr vermittelt werden. Wir haben im Bereich der Elementarpädagogik erstmals SprachberaterInnen angestellt, die beratend für andere Pädagoginnen und Pädagogen und auch Leitungen zur Verfügung stehen, um das Wissen der Sprachförderung noch weiter auszubauen, und hier wird es noch viele weitere Schritte brauchen.
Präsident Ernst Woller: Danke für die Beantwortung.
Wir kommen nun zur 4. Anfrage (FSP-1523281-2024-KSP/LM). Sie wurde von Herrn Abg. Schulz gestellt und ist an den Herrn Amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Wiener Stadtwerke gerichtet. (Sehr geehrter Herr Landesrat! Der Vienna Meeting Fund, ursprünglich eine Reaktion auf die schwierige Situation des Kongresstourismus inmitten der Pandemie, feierte vor kurzem seinen dritten 'Geburtstag'. Welche Ergebnisse hat dieses Werkzeug für den Standort hervorgebracht und inwiefern wurde er, abseits als Notmaßnahme wegen COVID-19, weiterentwickelt?)
Ich ersuche um Beantwortung.
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