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Landtag, 37. Sitzung vom 21.11.2024, Wörtliches Protokoll  -  Seite 53 von 62

 

kann. Das heißt, sie müssen außerordentlich geführt werden, das heißt, sie können nicht einmal beurteilt werden, weil ihre Deutschkompetenzen nicht ausreichen.

 

Und jetzt kommen wir zum Vorschlag der Sprach-Screenings. Den finden wir grundsätzlich gar nicht schlecht, wenn das kindgerecht gemacht wird, wenn das kontinuierlich beobachtet wird, wenn das wirklich auch sinnvoll gemacht wird. Sie behaupten, dass Ihr Vorschlag da sehr konkret wäre, das sehen wir jetzt eigentlich gar nicht, denn Sie sagen auch nicht, wie Sie sich diese Sanktionen dann vorstellen. Das ist aus unserer Sicht nicht ganz logisch, und ich glaube, dass Sanktionen, wie Sie sich das vorstellen, auch nicht unbedingt unserem Weltbild entsprechen.

 

Allerdings haben wir - das haben wir heute Vormittag schon diskutiert - auf unserer Bildungsausschussreise in Hamburg ein sehr gutes Modell gesehen, und ich kann mich erinnern, dass alle Parteien davon relativ beeindruckt waren. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine einzige Fraktion gesagt hätte, das wäre ein Blödsinn, ganz im Gegenteil. Nur leider haben wir aus Hamburg überhaupt nichts mitgenommen. Da werden alle Kinder, in dem Fall also Kinder im Kindergartenalter - jetzt sage ich es selbst schon so, dass es missverständlich interpretiert werden kann -, zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Jahren auf Sprachkompetenz getestet, also auch nicht so früh, aber noch früh genug, dass man noch gut Deutsch lernen kann. Entweder müssen sie vor der Einschulung eine Vorschule besuchen, wenn das nicht ausreicht, oder sie erhalten zusätzlich zum Kindergartenbesuch jede Woche vier Stunden Deutschunterricht am Nachmittag. Und in Hamburg - das ist auch ein Unterschied zu Wien - wird das in regelmäßigen Abständen getestet. Das ist etwas, was wir eigentlich gut finden, weil das niemandem weh tut. Es schafft Klarheit, und wir könnten endlich einmal evidenzbasiert Politik machen, und faktenorientiert auf der Grundlage von Daten, denn das, was wir hier leider sehen, ist auch mit den NEOS - und das ist besonders bitter - ein evidenzloses Agieren und ein bildungspolitischer Blindflug. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Auch in den Bundesländern sind Sie das sehr widersprüchlich und ambivalent, wenn wir schon beim Thema ambivalent sind, denn da fordert Ihre Fraktion in Innsbruck beispielsweise, dass Sprachausbildung und Sprachförderungen verpflichtend im Kindergartenjahr mit Hilfe der Ergebnisse der MIKA-D Sprachtests an Innsbrucker Volksschulen bei der Einschulung evaluiert wird. Also in Innsbruck sollte das schon gehen, und in Wien schaut man da sehr gerne sehr schnell weg. Wir müssen Annahmen ohne valide Daten treffen, und wir müssen politische Ableitungen treffen, die seriöser wären, würden sie auf belastbaren Daten beruhen.

 

Als Lehrerin kann ich Ihnen sagen - das ist jetzt etwas, was natürlich über den Kindergarten hinausgeht -, wir Pädagoginnen und Pädagogen müssen immer wieder von vorne anfangen, weil es überhaupt keine Übergänge im Bildungssystem gibt beziehungsweise kein gutes Wissensmanagement vom Kindergarten in die Volksschule, von der Volksschule in die Mittelschule oder ins Gymnasium. Wir müssen immer wieder von vorne beginnen, ohne dass wir in wichtige Daten Einsicht nehmen können. Das ist extrem frustrierend und das steht einfach in jedem Widerspruch zu einer Professionalisierung.

 

Ja, wir haben Kinder, die nicht genügende Unterstützung haben, ihr sprachliches Potenzial auszuschöpfen, und das wirklich Beunruhigende daran ist, dass diese Kinder ja auch in einem Wiener Kindergarten waren, manchmal zwei Jahre, und viele hier geboren sind, das wurde schon gesagt. Es ist nicht nur das Thema Zuwanderungen ein Thema, es ist auch sicherlich ein Thema, dass Sprachförderung nicht gut funktioniert. Wir haben Sprachförderkräfte in Wien, die von Standort zu Standort springen müssen, schlecht bezahlt, oft nur Stunden, die können gar nicht Teil eines Teams sein und die können nicht nachhaltige Sprachförderung betreiben. Es ist total unzureichend.

 

In unserem Modell wäre eine Sprachkraft verpflichtend in der Kindergartengruppe, Teil des Teams, besser bezahlt und würde nicht die ganze Zeit zwischen Standorten herumspringen müssen. Natürlich bräuchte es auch mehr Mittel, dort, wo es wirklich nötig ist - das würden auch Sprach-Screenings möglicherweise ergeben, wo das nötig ist -, aber da ist sehr viel Luft nach oben, und ehrlicherweise, das muss man auch sagen, auch beim sprachlichen Niveau der Sprachförderkräfte selbst eine Qualitätsoffensive anzustreben, wäre schön, denn auch dort sehen wir manchmal einen Mangel an Deutschkompetenzen. Wir glauben auch, wenn man die Sprachförderkräfte besser ausbildet und in weiterer Folge auch besser bezahlen würde, dass wir vielleicht auch mehr Auswahl hätten, was die Personen betrifft. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ein zweiter Punkt, an dem man noch ansetzen könnte, wäre natürlich der Kindergarten an sich. Auch hier gibt es eine mangelnde Durchmischung, es ist auch im Kindergarten immer segregierter, wie in den Volksschulen, das haben wir gestern diskutiert. Eine soziale, ökonomische, sprachliche Durchmischung könnte das Ziel sein und die Schulwahl ist natürlich dann in weiterer Folge auch ein Thema. Das haben Sie selbst als NEOS auch schon öfters angesprochen, da hört man leider auch nichts mehr davon. In unserem Modell bliebe ja - das hat mein Kollege Stadler auch schon gestern thematisiert - die Schulwahl bestehen, sie würde durch sozioökonomische Kriterien ergänzt. Auch hier handeln Sie als Partei sehr situationselastisch, denn früher, wie gesagt, war das oft auch Ihr Vorschlag. Und heute sagt Ihre Jugendorganisation sogar: Wir wollen Quoten in den Klassenzimmern, was die Zusammensetzung der Kinder betrifft!

 

Von Ihnen hört man leider sehr wenig. Seit Sie mit der SPÖ in Wien regieren, herrscht leider sowieso Schweigen im Walde, aber schauen wir einmal, was wir möglicherweise in einer Bundesregierung von Ihnen noch erwarten können. Wir werden Sie da wirklich dann auch an den Taten messen, denn Sie sagen ja immer, dass alles der Bund machen muss, und vielleicht haben Sie ja bald die Gelegenheit dazu. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Präsident Ernst Woller: Noch nicht (in Richtung des zum Pult eilenden Abg. Harald Zierfuß), Harald, ruhig Blut. Die jungen Kollegen sind so übereifrig. (Allgemeine Heiterkeit.)

 

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