Landtag, 37. Sitzung vom 21.11.2024, Wörtliches Protokoll - Seite 54 von 62
Ich möchte zuerst sehr herzlich bei uns auf der Galerie die Damen und Herren des Pensionistenverbandes Moosbrunn begrüßen, die auf Einladung von Frau Abg. Ilse Fitzbauer heute bei uns im Rathaus sind. Herzlich Willkommen im Wiener Rathaus bei einer Sitzung des Wiener Landtages! (Allgemeiner Beifall.)
Da ich ja hoffe, dass Sie nicht gleich wieder gehen wollen, darf ich Sie auch noch einladen, die Sitzplätze einzunehmen, damit alle tatsächlich auch sitzen können. Wir sind gerade bei der Behandlung eines Dringlichen Antrages der FPÖ bezüglich Wiener Sprach-Screening, und wir freuen uns sehr, dass Sie den Weg zu uns in die Wiener Landtagsitzung gefunden haben.
Und jetzt ist Herr Abg. Zierfuß am Wort, ich erteile es dir.
Abg. Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident, vielen Dank für das erteilte Wort!
Das Thema ist eines, das wichtig ist und wo ich gerne nach vorne komme. Sehr geehrter Herr Stadtrat, werte Kolleginnen und Kollegen und liebe Zuseherinnen und Zuseher, es freut mich, dass das Thema hier große Aufmerksamkeit bekommt, aber vor allem, dass wir mit vielen Anfragen, die Sie, Herr Stadtrat, oft auch sehr detailliert beantwortet haben, diesem Thema auch die Priorität gegeben und es messbar gemacht haben, wovon wir sprechen, weil es wichtig und das ein erster Schritt in die richtige Richtung ist.
Wenn ich aber auch einen Dank aussprechen darf, weil Sie den noch nie gehört hat, unsere Referentin Dani Webinger, die tatsächlich alle diese Anfragen akribisch vorbereitet und auch nachher durcharbeitet: Also, liebe Dani, danke für deine tolle Arbeit in dem Bereich. (Beifall bei der ÖVP.)
Aber vielleicht gehen wir hinein in die Zahlen. Einiges davon ist ja schon genannt worden, ich glaube die markanteste ist - und Herr StR Nepp hat sie angesprochen -, jeder dritte Erstklässler in Wien ist außerordentlicher Schüler, versteht also die Lehrerin oder den Lehrer nicht, und davon sind 60 Prozent hier geboren, 80 Prozent waren mindestens 2 Jahre im Kindergarten. Das sind Kinder, die hier geboren werden, die hier aufwachsen, die hier in den Kindergarten gehen und trotzdem so schlecht Deutsch können, dass sie den Lehrer nicht einmal verstehen. Und jetzt haben wir in den letzten Monaten immer wieder die Ausreden gehört, das sei alles wegen den Familienzusammenführungen und das führe dazu, dass wir viel größere Herausforderungen haben. Ja, es führt dazu, dass die Herausforderungen größer werden, aber nein, das ist nicht das Hauptproblem.
Wir sehen auch an den Zahlen - wir haben es heute in der Fragestunde ein bisschen andiskutiert -, 2020 gab es 10.484 außerordentliche Schüler in Wiens Schulen, 60 Prozent davon in Österreich geboren, jetzt sind es 15.613, davon immer noch über 52 Prozent hier geboren. Also ja, es sind viele Schüler, die nicht in Österreich geboren sind, aber die Mehrheit der Kinder ist hier geboren, hier aufgewachsen, und das zeigt natürlich auf, dass die Deutschförderung unter SPÖ und NEOS in den Kindergärten nicht funktioniert. (Beifall bei der ÖVP.)
Man sieht, wie es weitergeht, man hat bei den Bildungsstandards dann die Ergebnisse an den Mittelschulen: 80 Prozent erreichen nicht die Bildungsstandards im Lesen und im Rechnen, um nach 2 Jahren Kindergarten, 4 Jahren Volksschule, 4 Jahren Mittelschule gescheit lesen und rechnen zu können. Wir waren in vielen Berufsschulen zu Gast, unter anderem in der SPAR-Akademie, wo man uns dann geschildert hat, dass sie die Hälfte der Bewerbungen von jungen Menschen, die eine Lehre beginnen wollen, ablehnen müssen, weil sie nicht lesen und rechnen können. Das sind 15-jährige Jugendliche, die keine Chance haben im Leben. Was passiert mit so einem Menschen, der dann keinen geregelten Tagesablauf hat, der keine Lehrstelle findet?! Und wir reden da von jedem Sechsten zwischen 15 und 24 Jahren in Wien, der arbeitslos ist, der höchste Wert im ganzen deutschsprachigen Raum. Berlin ist irgendwo bei 10 Prozent, wir bei, je nachdem, zwischen 16 und 20 Prozent, also wirklich eine enorme Herausforderung.
Und das alles beginnt bei dem Thema - Hannes Taborsky hat es heute in der Aktuellen Stunde angesprochen -, dass Kinder zu Beginn der Schullaufbahn nicht Deutsch können. Wir haben deswegen vor zwei Jahren Sprachstandsfeststellungen bei allen dreijährigen Kinder gefordert - nicht bei denen, die im Kindergarten sind, die werden in dem Bereich ja eh schon gefördert, da können wir über die Effektivität reden, aber ganz generell von allen dreijährigen Kinder, um festzustellen, wo die Probleme sind - und damit natürlich einhergehend die Konsequenz daraus, den Kindergarten früher zu beginnen, denn, wenn ein Kind mit drei Jahren im Kindergarten ist, dann wird es bis zum Schuleintritt Deutsch lernen. Wenn man sich diese Deutschförderung im Kindergarten anschaut, Kollegin Emmerling von den NEOS hat angesprochen, dass die Sprachförderkräfte aufgestockt werden, ja, das sind mehr Personen, und ja, ich anerkenne auch die Bemühungen in dem Bereich und dass es sicher schwierig ist, aber die Wahrheit ist, auf 1 Sprachförderkraft im Kindergarten in Wien kommen über 80 Kinder mit Deutschförderbedarf. Wir hatten Jahre, da hatten 40 Prozent der Kinder, bei denen Deutschförderbedarf festgestellt worden ist, nicht einmal eine Deutschförderkraft zu Gesicht bekommen. Und jetzt diskutieren wir in diesem Haus sehr oft darüber, dass die Deutschförderklassen, die wir damals im Bund eingeführt haben, nicht effektiv wären. Ich möchte vielleicht an der Stelle schon festhalten, Zahlen der Statistik Austria sagen, dass 40 Prozent nach 1 Jahr gar keine Deutschförderung mehr brauchen und 40 Prozent nur mehr einen Deutschförderkurs parallel zum Unterricht, also 80 Prozent Erfolgsquote. Und wenn man das vergleicht mit der Deutschförderung in den Kindergärten hier in Wien mit einer Wirkungskennzahl zwischen 10 und 15 Prozent, also genau das Gegenteil, bei uns funktioniert es bei 80 Prozent im Modell, hier in Wien funktioniert es nicht einmal bei 20 Prozent, dann muss man sagen, dass die Deutschförderklassen vom Bund funktionieren und die Deutschförderung in den Kindergärten in Wien noch nicht, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
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