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Landtag, 37. Sitzung vom 21.11.2024, Wörtliches Protokoll  -  Seite 55 von 62

 

Was braucht es aus unserer Sicht? Ich habe es gesagt, Sprachstandsfeststellungen, die wir schon lange fordern, mehr Deutschförderung in den Kindergärten, Kindergartenpflicht mit drei Jahren für alle, die nicht ausreichend Deutsch können, und natürlich auch kleinere Gruppen in den Kindergärten. Deutschförderung ist ja nicht nur, dass man sich mit einer Deutschförderkraft auseinandersetzt, was wenige Stunden passiert, denn der Alltag im Kindergarten ist, eine Kindergartenpädagogin, ein Kindergartenpädagoge, der über 20 Kinder ganz unterschiedliches Alters alleine zu betreuen hat. Da sind die Herausforderungen schon so groß, die einen basteln, die anderen wollen was vorgelesen haben, die nächsten haben vielleicht gerade einen Konflikt, die sind hin- und hergerissen. Und da merken wir auch in den Ländern in Skandinavien, die dann oft hervorgehoben werden, wo alles so großartig funktioniert, dass die Betreuungsverhältnisse haben, von denen wir träumen können. Da reden wir von zehn Kindern in der Gruppe. (Abg. Jörg Neumayer, MA: Personal!) Das sind die Ziele, auf die wir hin müssen, das sind Stufenpläne, die ja auch von verschiedener Seite vorgelegt werden, wie es funktionieren kann. Da glaube ich schon, dass wir noch einiges an Hausaufgaben haben.

 

Ich freue mich aber auf jeden Fall, dass die Zahlen mittlerweile außer Streit stehen und dass wir hoffentlich in den nächsten Jahren auch die richtigen Schritte setzen werden, unsere Forderungen in dem Bereich sind vollkommen klar. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Präsident Ernst Woller: Als Nächste ist Frau Abg. Vasold zu Wort gemeldet. Ich erteile ihr das Wort.

 

14.54.57

Abg. Mag. Stefanie Vasold (SPÖ)|: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Landesrat!

 

Ich möchte gerne bei diesem Thema verbindend beginnen und auch wieder ein bisschen zurück zum Thema kommen - zwischendurch ging es ja um alles Mögliche im Laufe der gesamten Bildungskarriere - und den Fokus wieder auf Sprache, Sprachförderung und Sprach-Screenings legen, wie es in diesem Dringlichen Antrag von der FPÖ formuliert ist.

 

Das Verbindende ist, da sind wir uns einig, das ist ja auch schon bei der Kollegin Emmerling ganz klar geworden, dass das ein höchst wichtiges Thema ist. Natürlich möchten wir alle - und ich glaube tatsächlich, das verbindet uns alle -, dass es eine möglichst frühe und möglichst gute Kompetenz in der deutschen Sprache gibt, aber überhaupt auch Kompetenz in Kommunikation. Das ist nicht nur für die Kinder unmittelbar wichtig, sondern natürlich auch prägend für ihren gesamten weiteren Bildungsweg und damit auch für den Einstieg ins Berufsleben und die Frage, was sie später auch in dieser Gesellschaft in einem beruflichen Kontext beitragen können. Und damit ist Sprache natürlich auch ein wichtiges Instrument dafür, wie wir überhaupt miteinander tun in einer Gesellschaft. Darin besteht Einigkeit.

 

Und ja, wir haben viel zu tun in dem Bereich. Es ist ja schon gefallen, dass wir auch viel tun in diesem Bereich. Kollegin Emmerling hat sehr genau ausgeführt, im Kindergarten gibt es bereits diese Sprach-Screenings. Man wundert sich ein bisschen, dass die Freiheitlichen das nicht ausreichend recherchiert haben. Der Kollege Nepp hat dann zwar bei der tatsächlichen Berichtigung klargestellt, dass Sie eigentlich alle Kinder abseits des Kindergartens meinen, also die, die noch nicht den Kindergarten besuchen, Sie sind aber mit keinem Wort darauf eingegangen, dass uns schlicht die gesetzlichen Grundlagen fehlen, das zu tun. Das heißt, wir tun es dort, wo wir es können, nämlich bei den Kindern, die im Kindergarten sind. Wir sind absolut diskussionsbereit und fänden das grundsätzlich eine gute Maßnahme, das verpflichtende Kindergartenjahr auch auf ein zweites oder ein früheres Kindergartenjahr auszuweiten. Ich muss Sie nur enttäuschen, auch das liegt nicht in der Landeskompetenz. Also, es ist schön, sich immer wieder hier rauszustellen und von Maßnahmen zu reden, die man von Wien fordert, im Wissen - und davon gehe ich jetzt einmal aus, Kollege Zierfuß -, dass Ihnen das ja ohnehin bekannt ist, dass das außerhalb unseres Handlungsspielraumes liegt.

 

Ein bisschen knüpft das auch den Ausflug an, den wir bei dem Thema, aber auch bei anderen gehört haben, was die Bildungsreise in Hamburg betrifft. Ich war ja mit in Hamburg und kann mich anschließen, dass es wirklich sehr viele positive Eindrücke und gute Beispiele waren, mit einem ganz gravierenden großen Unterschied von Hamburg zu Wien, nämlich dass Hamburg alleine für die Bildungspolitik zuständig ist und deshalb beispielsweise gesetzliche Maßnahmen treffen kann, die wir eben nicht treffen können, weil bei uns ein Bildungsthema immer eine Mischkompetenz mit dem Bund ist. Im Übrigen ebenso, was die fundierte, empirische Auswertung von Daten betrifft, auch das können wir in Wien ohne Bundeszuständigkeit nicht machen.

 

Zurück zum Thema: Was wir tun, sind diese Screenings mit allen Kindern in den letzten drei Kindergartenjahren im Alter von drei bis sechs Jahren. Das passiert über einen längeren Zeitraum, und es geht eben nicht nur um die Kinder, die Deutsch als Zweitsprache sprechen, sondern auch um jene, die Deutsch als Erstsprache sprechen. Das können sich die Kollegen von den Freiheitlichen vielleicht nicht vorstellen, aber es gibt auch Kinder, die Sprachförderbedarf haben, die Deutsch als Erstsprache sprechen. Es gibt sogar Kinder, die Sprachförderbedarf haben, deren Eltern nicht Mindestsicherungsbezieher und -bezieherinnen sind. Auch das ist möglicherweise etwas, was in Ihrer Welt nicht stattfindet. Ich frage mich nämlich, wie genau haben Sie sich das mit den Sanktionen dann vorgestellt, wenn ich gar nicht darüber spreche, dass ich Sprachförderung dort betreibe, wo Eltern auch Mindestsicherung beziehen, sondern möglicherweise arbeiten gehen.

 

Die Auswertung dieser Sprach-Screenings ist die Basis für die Zuteilung von Sprachförderkräften, die es in Wien schon seit 2008 gibt. Und ja, es sind zu wenige, deshalb haben wir uns ja auch im Koalitionsprogramm geeinigt, dass wir diese deutlich erhöhen wollen. Wir sind da am Weg. Wir haben gehört, es ist nicht einfach, aber wir sind auch da zumindest bei der vorgenommenen Zahl jetzt ungefähr bei zwei Drittel des Weges. Es reicht aber nicht, externe Sprachförderkräfte dafür einzusetzen, auch da bin ich bei Ihnen, das allein wird es nicht sein und das allein ist augenscheinlich aktuell nicht ausreichend, weil

 

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