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Landtag, 37. Sitzung vom 21.11.2024, Wörtliches Protokoll  -  Seite 61 von 62

 

oder sonst irgendwie angegangen werden, möchte ich darüber hinaus ganz klar sagen: Nichts davon hat in unserem Land Platz. Nichts davon hat in unserer Stadt Platz. Ich möchte das nicht sehen, und niemand in unserer Koalition möchte es sehen, wenn sich Kinder gegenseitig schlagen und Lehrerinnen und Lehrer auf irgendeine Art und Weise angegangen werden.

 

Wir wissen, dass es höchst selten überhaupt vorkommt, dass Lehrerinnen und Lehrer betroffen sind. Jedes Mal aber, wenn in dieser Stadt so etwas passiert, darf das nicht zu einer Polemik und zu einem politischen Angriff von Ihnen führen, sondern zu einer gemeinsamen Tatsachenklärung und dazu, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer das jedenfalls bei der Bildungsdirektion anführen, damit es zu Schulsuspendierungen kommt (StR Dominik Nepp, MA: Der Lehrer, weil die unangenehm sind!) und wir die Jugendlichen - da möchte ich noch einen Schritt weiter gehen - dann auch dabei begleiten, wieder einen Weg zurück zu finden.

 

Das ist etwas, was ganz normal ist. Wenn man jemanden einfach zwei Wochen aus der Schule herausnimmt, passiert in diesen zwei Wochen gar nichts. Ich glaube, dass wir mit einer gemeinsamen Initiative wirklich Österreich-weit hergehen könnten und aus einer Schulsuspendierung heraus begleiten können. (Neuerlicher Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) Ich freue mich, dass Herr Abg. Nepp, der sich heute anscheinend nicht an die modularen Zubauten bei Fachhochschulen erinnern kann, jetzt auch noch den Begriff des Bootcamps hereinbringt. - Vielleicht hatten Sie da in Ihrer Schulzeit irgendwelche guten Erfahrungen.

 

Ich glaube, wir haben einen modernen pädagogischen und didaktisch wertvollen Ansatz auf allen Ebenen unserer Gesellschaft. In einer liberalen Gesellschaft - das unterscheidet uns vielleicht ein bisschen von Ihnen, Sie sind da vielleicht ein bisschen autoritärer erzogen als wir - geht es darum, dass wir Schülerinnen und Schüler, die einen Fehler gemacht haben, die etwas falsch gemacht haben und suspendiert worden sind, dann auch Schritt für Schritt wieder in diese Klasse hineinführen und dafür sorgen, dass die Probleme aus der Welt geschafft werden. Das ist ein ganz normaler Umgang mit Kindern und Jugendlichen, wie ich ihn auch in meiner Tätigkeit über viele Jahre gepflegt habe. (StR Dominik Nepp, MA: … zu heiß gewaschen!)

 

Das Thema der Deutschklassen hatten wir schon angesprochen. Ich danke Ihnen für die Zahlen, Herr Berger. Ich werde dem auch nachgehen. Wir haben die Rückmeldung, dass neun von zehn betroffenen Direktorinnen und Direktoren sowie Pädagoginnen und Pädagogen sagen: Bitte zumindest reformieren oder so, wie sie jetzt sind, abschaffen. Also, ich bin ein Freund davon, dass wir über Schulautonomie reden. Ich bin ein Freund davon, dass Direktorinnen und Direktoren - je nachdem, welche Herausforderungen sie vor Ort haben - unterschiedliche Mittel nutzen können. Wenn wir aber jetzt 90 Prozent haben, die sagen, dass das so nicht geht, dass das so nichts bringt, dass das segregiert und die SchülerInnen auseinanderdividiert und dass das Sprachstandniveau nach dem einen Jahr zwar vielleicht am Papier so ist, aber nicht in der Realität, dann müssen wir diese Zahlen, die Sie von irgendwoher haben, plus die Realitäten unserer Schulleiterinnen und Schulleiter sowie unserer Pädagoginnen und Pädagogen übereinanderlegen und gemeinsam für echte Lösungen sorgen. (Zwischenruf von Abg. Stefan Berger.)

 

Was sind echte Lösungen? - Ich danke Ihnen, Herr Kollege. Ich glaube, wenn man sich ansieht, was weltweit die Indikatoren … Bleiben wir einfach in Europa, dem fortschrittlichsten Kontinent dieser Erde. Was sind die Indikatoren für ein Bildungssystem, das die echten Probleme von unseren Kindern und Jugendlichen lösen kann? Das sind ganztägige Schulformen, das sind geringe Betreuungsschlüssel. - Danke, Herr Zierfuß, dass Sie das angeführt haben. Unsere Lehrerinnen und Lehrer - meine Mutter ist Volksschullehrerin, meine Großmutter war Hauptschullehrerin - brauchen einen geringeren Betreuungsschlüssel. Wenn die wirklich nur mehr zehn Kinder in der Klasse haben: sensationell. Die wissen am allerbesten, was unsere Kinder brauchen. Die kennen die Unterschiede in den sozialen Schichten, die kennen die Unterschiede in der familiären Herkunft, die kennen die Unterschiede in den Sprachkompetenzen, die kennen die persönlichen Bedürfnisse unserer Kinder, um diese zu unterstützen.

 

Jedes Mal, wenn ich an einer Schule bin, oder jedes Mal, wenn ich mit einer Lehrkraft rede, kommt dasselbe: Ich würde mich gern mehr um dieses Kind kümmern können. Es sind tolle Persönlichkeiten, die in unserer Klasse stehen. Sobald wir den Betreuungsschlüssel reduzieren können - Klammer auf: das ist ein Personalthema, das ist ein Geldthema, et cetera -, wären wir einen großen Schritt weiter.

 

Reden wir weiter über die Indikatoren eines Bildungssystems, bei dem es funktioniert, bei dem die Abschlüsse weitaus besser sind, bei dem die Kinder und Jugendlichen glücklicher sind und bei dem dann auch der Arbeitsmarkt besser ist - bei ähnlichen Migrationshintergründen wie bei uns. Das ist nämlich eine Frage der individuellen Förderung. (Abg. Stefan Berger: Das ist ein bisschen Sisyphos-Arbeit!) Es gibt Staaten, in denen eine Lehrkraft wirklich anerkannt und angesehen ist und im Schulalltag eher als Coach, als Mentor und als Managerin agiert. Die weiß genau: Okay, dieses Kind braucht ein bisschen mehr für Deutsch, dieses Kind braucht ein bisschen mehr für Mathematik. Sie hat die Ressourcen, um hin- und herzuschieben.

 

Das ist ein Bildungssystem, in dessen Richtung wir, glaube ich, gemeinsam denken und ein Bildungssystem, das wir in Österreich brauchen können. Denn dann brauchen wir nicht über In- oder Ausländer reden, sondern dann können wir über Kinder reden. Dann können wir uns wirklich anschauen, dass jedes Kind dieselbe Unterstützung verdient hat. Das ist unser Zugang. (Neuerlicher Zwischenruf von Abg. Stefan Berger.) Deshalb verstehe ich auch nicht, warum Sie die Sprach-Screenings, die Sprachförderung, et cetera nur für Kinder mit Migrationshintergrund oder für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache haben wollen. Ich glaube, es zeigt sich tagtäglich, dass wir

 

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