Landtag, 5. Sitzung vom 19.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 19 von 43
zumindest in einem Nebensatz erwähnt, dass die Probleme in Wien überwältigend sind.
Wir befinden uns in einem Angebotsmarkt, es gibt mehr Lehrerplätze, mehr Planstellen, als wir besetzen können, zumindest mit Vollausgebildeten, deswegen haben wir ja die Quereinsteiger und die Teilausgebildeten. Wir stehen auch im Konkurrenzverhältnis zum Wiener Umland, sprich zu Niederösterreich, teilweise auch zum Burgenland.
Es wäre schön, wenn weiterhin Personen den Lehrberuf ausüben wollen und sich dazu berufen fühlen. Die Frage, die sich für viele stellt: Warum müssen sie das ausgerechnet in Wien machen? Wie schaut es mit einer Konkurrenzsituation von Niederösterreich aus? Haben Sie Zahlen, wie sich die Personalsituation in das Wiener Umland oder aus dem Wiener Umland verschiebt, sprich, gibt es einen Lehrkräfteabfluss in das Wiener Umland oder einen Zufluss von ausgebildeten Lehrkräften, die zuvor in anderen Bundesländern tätig waren? Wie schauen diese Zahlen aus?
Präsident Anton Mahdalik: Frau Landesrätin, bitte.
Lhptm-Stv.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Ich glaube, die Herausforderungen sind groß, wir haben genügend Probleme in unserem Bildungssystem, nicht nur in Wien, sondern überall, wo Ballungsräume sind, wo viele Gemengelagen aufeinandertreffen. Das ist kein Geheimnis. Das ist etwas, was sich die letzten Jahre rasant entwickelt hat, wo wir reagieren müssen, das ist auch kein Geheimnis.
Vor allem die Unterstützungsmaßnahmen, die ich vorhin in der Anfragebeantwortung aufgezählt habe, sind ja auch Ausdruck dessen, wie wir darauf reagieren - mit zusätzlichem Unterstützungspersonal, multiprofessionellen Teams, pädagogischen, administrativen Unterstützungskräfte, auch mit den Deutschförderklassen - und jetzt auch mit den Deutschförderkräften, wo wir den Deckel endlich weggeben können. Das alles ist Ausdruck der Herausforderung unserer Zeit.
Natürlich ist das für Lehrerinnen und Lehrer eine große Herausforderung. Da gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen, die ich habe. Es gibt viele, die die vielen Herausforderungen sehen, mit denen unterschiedlich umgegangen wird. Aber was ich schon erkenne, vor allem bei den vielen Neuen, die jetzt in den Lehrberuf einsteigen beziehungsweise die Ausbildung starten, ist, dass die etwas bewegen, etwas bewirken wollen.
Teach for Austria ist ein gutes Beispiel als Quereinstieg. Warum geht man von einem gut bezahlten Job in eine Schule? - Weil man das wirklich in sich hat, intrinsisch etwas zu verändern in dieser Welt, einem Kind - und das muss man auch, das ist die Zukunft unserer Gesellschaft - etwa mitgibt, das einen entscheidenden Unterschied machen kann. Das ist bei Lehrerinnen und Lehrer, die wir motiviert in unseren Klassenzimmern erleben, egal wo sie herkommen und wie lange sie das schon machen, die Grundmotivation. Das spürt und merkt man.
Natürlich gibt es auch solche, die das wahrscheinlich nicht verspüren, die ein größeres Thema haben mit den Herausforderungen unserer Zeit oder auch in einer heutigen Zeit sagen: Hm, das ist nicht mehr unterrichten, wie es damals war. Da bin ich vollkommen dabei. Das Unterrichten ist heute ein ganz anderes. Wir haben vielfältige Problemlagen, es liegt quasi nicht mehr alles am Unterrichten. Ein Lehrer ist Manager, Sozialarbeiter, Problemlöser, Seelsorger, hat so vielfältige Aufgaben. Das muss man einfach mitbedenken. Da gibt es einige wenige, die sagen, das ist es nicht, aber auch viele, die gerade jetzt neu dazukommen, die wirklich in den Beruf gehen, um einen Unterschied zu machen - und das merkt man.
Was die Fluktuation betrifft, habe ich jetzt aktuell keine Zahlen mit, vor allem nicht ins Wiener Umland. Da müsste man die Gemeinden genauer auswerten. Also ich glaube, nach Bundesländern haben wir das verfügbar. Ich habe die Zahlen leider nicht da. Wir befinden uns in einem normalen Fluktuationsbereich, was die Jobwechsel betrifft. Das wurde ja schon oft gefragt in Fragestunden. Wir sind da in einem Prozentsatz, der durchaus im Normalbereich liegt.
Das viel größere Problem sind die Pensionierungen. Das ist, was ich vorher ausgeführt habe. Da verlieren wir gerade eine ganze Generation an Lehrerinnen und Lehrer. Das ist auch der Grund, warum wir pro Jahr rund 2 000 Neuanstellungen machen. Sie müssen sich vorstellen: 2 000 Neuanstellungen pro Jahr, und das jedes Jahr, weil so viele in Pension gehen. Das ist echt ein Gewaltakt und eine wirklich große Kiste. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)
Präsident Anton Mahdalik: Danke, Frau Landesrätin. - Die Fragestunde ist hiermit beendet.
Wir kommen nun zur Aktuellen Stunde. Der Klub der Wiener Freiheitlichen hat eine Aktuelle Stunde mit dem Thema "Dramatische Lage im Gesundheitswesen mit gesundheitsgefährdenden Situationen - gemäß Art. 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens ist die Gewährleistung der Versorgung aller Wienerinnen und Wienern mit qualitätsvollen, gesamtwirtschaftlich effizienten, medizinisch adäquaten und bedarfs- und patientenorientierten Leistungen dringend geboten!" verlangt. Das Verlangen wurde gemäß § 39 Abs. 2 der Geschäftsordnung ordnungsgemäß beantragt. Ich bitte die Erstrednerin, Frau Abg. Schütz, die Aktuelle Stunde zu eröffnen, wobei ich bemerke, dass ihre Redezeit mit zehn Minuten begrenzt ist.
Abg. Angela Schütz, MA (FPÖ): Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, Herr Landesrat, liebe Zuschauer!
Das Gesundheitssystem steht vor einer ganzen Reihe von Problemen. Wir haben zum Beispiel diese jährliche Health at a Glance-Studie der OECD, da hat Österreich die dritthöchsten Pro-Kopf-Ausgaben im Gesundheitssystem aufgezeigt, aber auf der anderen Seite, was die gesunden Lebensjahre betrifft, die wir haben, schneiden wir unterdurchschnittlich ab. Das bedeutet, dass sehr viel Geld in dem System versickert, ohne dass es den Patienten zugutekommt und ohne, dass wir eine messbare Steigerung der Volksgesundheit wahrnehmen können.
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