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Landtag, 5. Sitzung vom 19.11.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 20 von 43

 

Wien ist vor allem durch die Massenmigration der letzten zehn Jahre um 16 Prozent gewachsen und wird auch weiterhin wachsen. Allerdings hat sich die Zahl der Beitragszahler nicht im gleichen Ausmaß gesteigert. Das heißt, immer mehr Menschen beziehen Leistungen, die immer weniger Menschen bezahlen. Die Stadt Wien hält die tatsächlichen Zahlen für die Migration in das Gesundheitssystem zurück. Es gibt aber Berechnungen der EcoAustria, nach denen uns die Asylmigration österreichweit in den letzten zehn Jahren 3,49 Milliarden EUR Gesundheitsausgaben gekostet hat, wobei der größte Anteil auf Wien fällt, was natürlich Auswirkungen auf das Wiener Gesundheitssystem hat.

 

Man muss auch sagen, die Spitalsbesuche unter den Zuwanderern sind zahlreicher als der Gang zum Hausarzt, was natürlich höhere Kosten nach sich zieht.

 

Wenn man über ganz Österreich schaut, so kostet ein Spitalsbesuch ungefähr 1 200 EUR, ein Besuch in der Ambulanz 400 EUR und ein Besuch beim Hausarzt 100 EUR, das heißt, der Spitalsbesuch ist der teuerste Kostenfaktor, und man sollte den daher auch wirklich nur nutzen, wenn man ihn tatsächlich braucht, zumal er auch personelle Kapazitäten bindet.

 

Damit wären wir beim Thema Entlastung der Spitäler, was ja grundsätzlich eine sinnvolle Maßnahme wäre, wenn man sie richtig macht. Wenn man sie aber falsch angeht, bedeutet das weitere Probleme. In der derzeitigen Situation würde nämlich eine Umleitung vom Spitalswesen auf den niedergelassenen Bereich Probleme mit sich führen. Man würde die Probleme einfach nur verlagern. Das heißt, bevor man die Spitäler sinnvoll entlasten kann, muss man jene Strukturen aufwerten, auf denen das Gesundheitssystem stehen soll.

 

Da haben wir neben den Ordinationen, die ganz wichtig sind, auch weitere Bereiche, die einer Unterstützung bedürfen. Der Herr Landesrat hat es heute Früh schon einmal kurz angesprochen. Da schauen wir zumindest einmal in eine positive Richtung, denn es gehört der Ärztefunkdienst ganz speziell ausgebaut, weil der in der Nacht und durchgehend für die Bevölkerung da ist. Da muss zukünftig wesentlich mehr investiert werden, weil das auch die Gesundheitsversorgung unserer Älteren sichert.

 

Eng mit dem Ärztefunkdienst verbunden, braucht es auch weiter einen Ausbau der telemedizinischen Betreuung. Die Gesundheitsversorgung muss digitaler werden, ohne dabei die hohen Standards unseres Datenschutzes aufzuweichen. Im Ernstfall würde damit die Konsultation per Videocall gut ermöglicht sein, was für unsere ältere Bevölkerung und vor allem für schwer bettlägerige Menschen besonders wichtig ist. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Aber um den Spitalsbereich wirklich massiv entlasten zu können, braucht es den niedergelassenen Bereich, daran führt kein Weg vorbei. Wir brauchen Ärzte, Ordinationen, wir brauchen Gruppenpraxen und Primärversorgungseinrichtungen, die finanziell gut ausgestattet sind, strukturell, effizient organisiert und flächendeckend verfügbar sind. Allerdings wollen wir da keine Großinvestoren, denn nur dann ist eine Spitalsentlastung wirklich möglich.

 

Da hätten wir noch ein anderes aktuelles Problem: Wir haben im vergangenen Jahr über die Ärztekammer mit dem Hayek Institut eine Studie gemacht, die den Bereich der Wartezeiten im niedergelassenen Bereich festgestellt hat. Die durchschnittliche Wartezeit in den Kassenordinationen hat sich um einiges vervielfacht. Ich habe ein paar Zahlen mitgebracht. Die neurologischen Facharztpraxen haben 45 Tage Wartezeit, die Augenheilkunde 44 Tage und in der Radiologie wartet man durchschnittlich 57 Tage. Hinzu kommt noch die Hälfte der Kassenmediziner für Jugendheilkunde und Kinderheilkunde, die keine Patienten mehr aufnimmt. In der Jugendpsychiatrie sind es 40 Prozent und in den Gynäkologie 30 Prozent. Das heißt also, ausgerechnet bei den Kindern, für die die Gesundheit besonders wichtig ist, schaut es dramatisch aus.

 

Aber nicht nur die Menschen leiden unter dem Gesundheitssystem, auch die Ärzte, die eigentlich für die Menschen da sein wollen, auch wenn unsere Spitäler nicht unbedingt ein rosiger Arbeitgeber sind, weil immer wieder Übergriffe vorkommen und schon Schilder aufgestellt sind, dass bei Gewalttaten die Polizei geholt wird. Es kann nicht sein, dass unsere Ärzte und unser medizinisches Personal, das selber für die Gesundheit da ist, mehr oder minder leiden muss.

 

Wenn man sich mit den Spitalsärzten unterhält, dann gibt es auch immer wieder Sorgen, die sie ansprechen. Sie haben gewisse Sicherheitsaspekte mit drei Kategorien angesprochen: erstens die Ausbildungsqualität, zweitens die Infrastruktur und das Equipment und drittens die Arbeitsbedingungen und die Kapazitäten, die sie als nicht ganz unproblematisch sehen. Aber in allen Bereichen stoßen sie bei der SPÖ seit Jahren auf taube Ohren. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Wien war einmal der Garant für die bestausgebildetsten Ärzte Europas. Das hat sich geändert, weil sich inzwischen kaum jemand in den Gesundheitsverbund bewerben möchte beziehungsweise nicht gerne lange dortbleiben möchte. Wir haben daher die Forderung, dass die Ärzte von 50 Prozent ihrer Tätigkeiten freigespielt werden müssen, damit sie die jungen Leute ausbilden können, und auf der anderen Seite muss man auch die Jungärzte entlasten, weil sie nämlich zum größten Teil nicht ärztliche Tätigkeit verrichten, sondern Dokumentation, Administration et cetera, auch das gehört weg. Wir brauchen Vereinfachungen in der Dokumentation.

 

Natürlich braucht es dafür elektronische Unterstützung, das reicht von Dienstplänen, Laborbefunden, Anmeldungen et cetera bis zur Kommunikation zwischen den Häusern. Da sprechen wir jetzt noch nicht einmal vom Einsatz der KI, so weit sind wir noch nicht. Es fehlt oft an den einfachsten Dingen wie an Laptops oder einem gut funktionierenden WLAN.

 

Nicht die digitale Infrastruktur alleine ist das Problem, auch die räumliche Ausstattung in den Spitälern lässt zu wünschen übrig. Auch da beziehe ich mich auf Gespräche mit Ärzten, die sagen, die Sanitäranlage, das Mobiliar, Klimaheizung oder Lärmschutz funktionieren teilweise nicht einmal mehr auf Basislevel.

 

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