Landtag, 6. Sitzung vom 12.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 20 von 39
eine Bruttowertschöpfung von 38,1 Millionen EUR ausgelöst, davon 27,8 Millionen allein in Wien. Das bedeutet rund 562 Vollzeitarbeitsplätze, die dadurch geschaffen wurden, und 416 davon in unserer Stadt. 16 Millionen EUR sind dadurch an Steuern und Abgaben ins öffentliche Budget geflossen.
Von diesen Effekten haben natürlich vor allem die Wiener Betriebe profitiert: Beherbergung, Gastronomie, Kunst und Kultur, Veranstaltungstechnik, Handel-, Werbe- und Kreativwirtschaft. Zu all dem kommt der mediale Werbewert. Die von Stadt Wien, ORF und WienTourismus beauftragte Auswertung der Onlineberichterstattung des ESC 2015 in 116 Ländern hat ergeben, dass im damaligen Zeitraum über 35 000 Onlineartikel mit Wien-Bezug entstanden sind. Das bedeutet einen Werbewert von über mehreren hundert Millionen Euro. Deshalb, aber nicht nur deshalb, ist es so großartig, dass wir 2026 den Eurovision Song Contest wieder in Wien begrüßen dürfen. Eine aktuelle Studie von Eco Austria geht davon aus, dass dank des ESC 2026 zirka 88 000 zusätzliche Gäste nach Wien kommen werden und sich damit eine zusätzliche Wertschöpfung von 52 Millionen EUR ergeben wird. Diesen 52 Millionen EUR stehen Ausgaben der Stadt Wien von 22,6 Millionen EUR gegenüber. Wir können also davon ausgehen, dass jeder von der Stadt Wien investierte Euro mehr als doppelt zurückkommen wird. Dazu kommt natürlich auch noch hoffentlich nächstes Jahr der zusätzliche Werbewert auf Basis von etwa 160 Millionen TV-Zuseherinnen und -Zusehern und Milliarden an Interaktionen in sozialen Medien, geht man von einem Werbewert von über 700 Millionen EUR aus. Das ist Werbung für Wien und Österreich, ein Schaufenster für unsere Kultur, unsere Kulinarik, unsere Unternehmen und unsere Lebensqualität. (Beifall bei den NEOS und von Abg. Thomas Mader.)
Der ESC passt daher perfekt in die heute schon erwähnte Visitor Economy Strategie der Stadt Wien, die wir im Tourismus verfolgen. Es geht um gutes Wachstum und nicht nur um Wachstum, es geht um Gäste, die länger bleiben, mehr ausgeben und die Vielfalt dieser Stadt genießen und prägen.
Der Songcontest bringt genau diese Zielgruppen nach Wien: internationale, kulturinteressierte Besucherinnen und Besucher, die Hotels, Restaurants, Museen und die Kreativszene nutzen. Ich kann Ihnen schon heute sagen, ich freue mich wahnsinnig auf den Mai 2026 und darauf, das Motto "United by Music" in Wien zu spüren. - Danke. (Beifall bei den NEOS und von Abg. Astrid Pany, BEd, MA und Benjamin Schulz.)
Präsident Anton Mahdalik: Als nächste Rednerin hat sich Frau Abg. Kickert gemeldet, und ich erteile ihr das Wort. - Bitte.
Abg. Dr. Jennifer Kickert (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, sehr geehrte ZuseherInnen vor den Bildschirmen, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!
Wir haben jetzt sehr viel von dem Kongresstourismus und von diesem Ranking der internationalen Vereinigung der Kongresse und Versammlungen gehört. Wie Sie wissen, bin ich bei Rankings immer diejenige, die nach der Methodik schaut. Das habe ich bei der Mercer-Studie gemacht, bei der Global Liveability, dem Index des "Economist", und das wollte ich jetzt auch bei diesem ICCA-Report machen.
Ich kürze die Geschichte ab: Innerhalb von 48 Stunden ist es mir noch nicht gelungen, diesen Report und vor allem die Methodik zu kriegen, das heißt, ich werde Ihnen, sobald ich diesen Report geschickt gekriegt habe, irgendwann einmal in einer der nächsten Sitzungen erzählen, wie die Methodik dieses Rankings zu Stande gekommen ist.
Daher habe ich mir gedacht, okay, wenn ich über das ICCA nicht reden kann, rede ich über mich als Bewohnerin der Stadt, weil die Tourismusstrategie ja ein Motto hat - und zwar ein gutes Wachstum durch ein Ausbalancieren der Bedürfnisse der BewohnerInnen der Stadt mit den Bedürfnissen der BesucherInnen der Stadt. Da gibt es unheimlich viele Beispiele, die ich übrigens alle gut finde. Sich die Tourismusstrategie einmal zu Gemüte zu führen, ist wirklich hoch interessant. Ich bin hängengeblieben beim Kapital Government, nämlich der Frage der geteilten Verantwortung im öffentlichen Raum mit dem Ziel, die Zufriedenheit - wieder einmal - mit öffentlichen Plätzen und die Bedürfnisse der BewohnerInnen in Einklang zu bringen mit dem manchmal gegensätzlichen Nutzungsverhalten und den Nutzungsbedarfen der BesucherInnen. Ja, das ist, wenn man durch die Stadt und durch die Gegenden geht, in denen sich viele TouristInnen bewegen, durchaus eine Herausforderung.
Ich kann Ihnen sagen, ich werde als Bewohnerin der Stadt wahrscheinlich zweimal im Monat durch ratternde Rollen eines Trolleys mitten in der Nacht geweckt, der von einer Gruppe NutzerInnen von sogenannten Kurzzeitvermietungswohnungen benutzt wird. Das ist meine Erfahrung als Bewohnerin einer Wohnung in Wien.
Eine andere Erfahrung ist zum Beispiel dieses Blitzlicht: Gestern, 16.10 Uhr, am Rathausplatz auf der Seite der Universität sind neun Reisebusse auf einer Parkspur, in der nur sieben stehen können, das heißt zwei dieser neun Reisebusse sind in der Fahrbahn gestanden. Alle, die ausgestiegen sind, haben den Gehsteig benutzt, das heißt, ein Durchkommen war fast nicht möglich, nicht nur für mich als Fußgängerin, sondern blöderweise zu der Zeit auch für ein Einsatzfahrzeug. Das hat es echt schwierig gemacht, vorbeizukommen.
Das heißt, ich habe Ihnen jetzt drei Druckpunkte - das ist der touristische und der werbetechnische Neusprech für Nutzungskonflikte - im öffentlichen Raum erzählt, nämlich Kurzzeitvermietungen, Busse und Gruppengrößen. Es gibt mehr, aber das sind solche, die uns allen ganz klar sind. Es gibt auch Maßnahmen, die dafür vorgeschlagen sind, aber diese Maßnahmen sind recht schwierig umzusetzen, das ist irgendwie klar, denn welche gesetzlichen Regelungen sind schon möglich, um Gruppengrößen zu begrenzen? - Das Ziel wäre auf 25. Ich habe es nicht gezählt, aber wenn ich mir den ganzen Gehsteig entlang des Rathausparks vorstelle, war die Gruppengröße dieser Versammlung gestern sicherlich so 150 bis 170 Personen - neun Autobusse und alle auf einmal ausgeleert. Also ja, das ist einer der sogenannten
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